Mittwoch, 16. Dezember 2020

Jammern verboten

Ich hab lange nichts mehr geschrieben. Dabei hab ich so viele Wörter und Sätze im Kopf, aber immer wieder habe ich verworfen, etwas zu schreiben, weil dieses Jahr alles so unglaublich kompliziert ist.

Nun aber. 

Ich habe in diesem Jahr extrem das Gefühl, dass man nicht mehr jammern darf. Nicht mehr klagen. Nicht mehr traurig sein. Sich niemals beschweren.

Denn dieses Jahr ist das Jahr der Helden. Der Corona Helden. Das Jahr, in dem es mindestens 500.00 Existenzen gibt, denen es auf jeden Fall schlechter geht als dir, du Jammerlappen. Und wenn dir nicht 24/7 die Sonne aus dem Arsch scheint, du undankbares Stück, dann geh mir und dem Rest der Welt wenigstens aus den Augen und jammer woanders weiter. 

Man darf sich nicht mehr beschweren, dass man nicht in den Urlaub fliegen/fahren konnte. Sobald man das tut, kommt die Moralkeule irgendeines Gutmenschen in der Nähe oder aus dem guten alten Social Media und erklärt dir lang und breit, wie undankbar du bist. Auf welch hohem Niveau du klagst und dass es vielen schlechter geht als dir.

Wisst ihr was. Das ist ja mal immer so. Wenn ich zwei Beine beim Unfall verliere, dann gibt es sicher einen, der noch einen Arm dazu verloren hat. Also Fresse halten und lächeln. Dieses Prinzip "Es gibt Menschen, denen geht es schlechter", ist glaube ich jedem klar. Und in einem normalen Denken wird das auch immer wieder Platz haben und man besinnt sich auf das, was man hat und ist dankbar für die kleinen Dinge, die das Leben einem doch so bietet. 

In diesem Jahr ist aber dieses Denken zum neuen Motto erkoren worden und macht dabei jede Traurigkeit, die auftaucht, sofort zunichte. Man DARF nicht mehr traurig sein. Oder verzweifelt. Und das bereitet mir persönlich gerade momentan echte Probleme.

Vor acht Wochen ist mein Vater gestorben. Das ganze Jahr vorher war in dieser Hinsicht extrem beschissen. Langer Leidensweg, Sorgen ohne Ende, keine Nacht ohne Aufwachen und an ihn denken, kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften, keine Unbeschwertheit. Alles im Arsch. Ich habe es trotzdem irgendwie hinbekommen zu arbeiten, Leistung zu erbringen, nett zu allen Kunden zu sein. Essen auszurichten, Besuch zu empfangen, Gemüse zu pflanzen, Sport zu treiben. Ich finde, ich hab es ganz okay hinbekommen, zu funktionieren und alle Erwartungen an mich zu erfüllen.  Meinen Part zu leisten in diesem Gefüge aus Familie, Firma und Freunden. Und mich nicht ganz zu verlieren.

Dann starb er also. Nachdem ich tagelang immer wieder gebetet habe, ihn bitte zu erlösen. Jedes Mal, wenn ich mit dem Hund gegangen bin und in die Richtung blicken konnte, wo er wohnte, habe ich versucht, so viele gute Gedanken durch die Luft zu senden, wie ich konnte. Er starb also und es war vorbei. Dachten alle.

Jemand aus meiner Familie fragte mich zweimal nur ein paar Tage nach der Beisetzung, wie es mir ginge und ob ich jetzt nicht sehr erleichtert wäre. Ich dachte mir nur: Kann ich zuerst einfach mal traurig sein? Ist es möglich zu trauern? Es war kein Platz dafür da. Denn das macht man heutzutage nicht mehr. Man kneift gefälligst die verdammten Arschbacken zusammen und besinnt sich auf das, was einem noch geblieben ist. 24/7.

24/7.

Wenn ich erzählte, dass ich traurig bin, hörte ich "Sei froh, dass du ihn hattest. Sei dankbar, dass du ihn beim Sterben begleiten konntest. Sei dankbar, dass er im Kreise der Familie sterben konnte. Sei froh, dass du einen Vater hattest. Sei froh, dass er 73 Jahre alt geworden ist. Sei froh, dass er nun erlöst ist. Sei dankbar, dass er nicht mehr länger leiden musste."

Ich komme nun vor lauter Dankbarkeit nicht mehr in den Schlaf. (Sarkasmus aus)

Ich hätte mir gewünscht, dass jemand einfach sagt "Ist kacke. Es ist einfach kacke, wenn jemand stirbt, den man geliebt hat. Ich kann dich verstehen. Ich fühle mit dir. Es tut mir von Herzen leid." Und dann PUNKT. Und nicht. "AAAAAABER es ist ja besser so. Aber es war ja abzusehen. Aber sei froh, dass....." 

Das Ergebnis dieses neuen Denkens, dieser neuen Art, Sorgen zu begegnen oder Traurigkeit oder Unmut, ist nicht cool. Es führt dazu, dass man sich wie ein Vollversager vorkommt, wenn man diese Gefühle nicht in den Griff bekommt. Andere schaffen das auch, wieso du nicht? Andere jammern auch nicht, wieso du? Andere sind darüber hinweg, wieso schaffst du das nicht? Andere haben es schwerer, wieso jammerst du? Nimm dir ein Beispiel an anderen. Sei wie andere.

Ich glaube aber auch, dass andere auch leiden. Oder gerne mal jammern würden. Oder heulen. Aber sie machen es nicht. Weil man das nicht macht. Nicht in diesem Jahr. 

Ich weiß aber, dass das zumindest für mich nicht gut funktioniert. Meine Wunden, alle Wunden aus diesem Jahr, müssen von innen nach außen heilen. Ich kann nicht ständig neue Pflaster drauf kleben und hoffen, ich muss sie vorerst nicht abziehen. Ich kann auch nicht ständig drauf schauen, wie andere sich Pflaster drauf kleben oder sogar gar keine mehr brauchen.  

Ich bin immer noch unsagbar traurig. Jeden Tag. Nicht jede Minute. Aber jeden Tag. Wenn ich abends mit Balu unterwegs bin, sitze ich immer noch zehn Minuten im Auto, im Dunkeln, und heule. Fast jeden Abend. Niemand sieht mich dabei, niemand versucht, mich zu trösten, oder mir zu sagen "wein doch nicht. Ist doch alles gut." Es ist nicht alles gut. Es wird wieder gut werden, das weiß ich. Aber jetzt gerade ist es das eben nicht. 

Ich würde mir wünschen, dass wir das wieder äußern dürften. Dass es uns nicht gut geht. Gerade jetzt nicht gut geht. Dass sich Traurigkeit und Dankbarkeit nicht ausschließen. Dass man beides zur selben Zeit fühlen kann. Dass wir ehrlich zueinander sind. Dass es nicht verwerflich ist, eigenen Kummer zu haben, obwohl die ganze Welt Kummer hat. Dass Herzen Zeit brauchen, um zu heilen. Dass Dinge Spuren hinterlassen. 

Dass wir nicht alleine sind. 

Denn es gab Tage in letzter Zeit, da habe ich mich so alleine gefühlt wie noch nie in meinem Leben. Dabei habe ich eine großartige Familie und gute Freunde. Aber es gab niemanden mehr, dem ich noch sagen konnte, dass es mir nicht gut geht. Denn das Thema war einfach rum. Acht Wochen später sollte man langsam damit durch sein. Und alle hatten außerdem auch andere Sorgen. Oder Freuden. Und man will einfach nicht da rein grätschen. Also sitzt man im Auto und macht das mit sich selbst ab. 

Das kann man machen. Aber ich weiß nicht, ob uns das alle gemeinsam nach vorne bringt in der heutigen Zeit. 

Daher war ich heute mal so mutig und habe geschrieben. Mal schauen, was das macht.:)))


Montag, 8. April 2019

einfach nur so

Ich mache mir immer ´n meeeega Kopp, was das Thema eines neuen Posts sein soll, und meistens schreib ich dann gar nicht, weil mir nämlich zur Zeit TAUSEND Dinge durch den Kopf gehen, die ich nicht ordnen kann. 

Aber grad denke ich mir: egal. Ich schreib einfach drauf los. Dieser Blog war immer wie mein Tagebuch, und ich lese echt gerne mal rückwärts, was so los war in den letzten Jahren. Meine Posts wurden jedoch immer seltener, weil mein Anspruch immer höher wurde. Weil ich unbedingt wollte, dass ein Post auch einen Nutzen hat. Weil so viele Blogger, denen ich folge, in jedem Post ein bestimmtes Thema verfolgen, nützliche Dinge verlinken und so weiter. 

Aber ich eben nich. Ich mach einfach mal drauf los. Was mir so durch den Kopf geht.

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir Richtfest gefeiert. Wir haben uns soooo sehr nach der Fertigstellung unseres Hauses gesehnt! Wir haben den Sommer durch gearbeitet und bei der größten Hitze menschengroße Fliesen in den zweiten Stock unseres Hauses geschleppt und unser Bad verfliest. Wir hatten so was noch nie gemacht und nach dem Studium von zahlreichen Youtube Videos entschieden: machen wir so! Hat geklappt! Guckst du hier:



ES WAR HART. Der Schweiß ist in Strömen gelaufen, die Hände wurden immer rauer, aber wir wurden extrem fit in dem Sommer. Wir haben regelmäßig die Eisvorräte unseres REWE Marktes aufgekauft und fast fünfmal am Tag Eis gegessen. Wir haben einen "Streich-Sonntag" gemacht und fast die ganze Familie hat geholfen, das Haus innen zu streichen. Die Musik tönte durch den Neubau, es gab Eis und Alster, und später haben wir alle zusammen im Schatten unserer Weide gegrillt und gechillt und waren stolz auf uns. 

In diesem Jahr ist innen drin fast alles fertig. 


Nun geht es draußen los, und unser Terassenkonzept steht schon. Ich freue mich auf den Sommer und auf Eis und auf Sonne auf der Haut und auf Grillabende und auf alles, was mit draußen zu tun hat!

Und sonst so?

Irgendwie fühl ich mich momentan wie in so einem Zwischenleben. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass ich wohl nun doch in die Wechseljahre komme. Blödes Thema, irgendwie auch peinlich, aber eigentlich: NÖ!

Ist halt nun mal so. Wir werden alle älter. Zum Glück. Ist mir nur noch nie so klar und bewusst gewesen wie in diesem Jahr. Und es mag Frauen geben, die wie NIX durch diese Wechselphase gehen und ohne irgendwelche Symptome sind, aber das ist dann einfach mal Glück. Ich denke nicht, dass es an der Einstellung oder der Lebensweise liegt, denn ich keine a) niemanden, der gesünder lebt als ich und b) habe ich ein wirklich gutes Verhältnis zu meinem Körper und hege und pflege und mag ihn.

Und trotzdem.

Stelle ich fest, dass ich empfindlich geworden bin. Gegenüber ALLEM. Mich bringt ein Bild oder ein Zitat oder ein Lied aus dem NIX zum heulen. Ich habe ganz grandiose Tage, voller Energie und guter Laune und meeeeega Stimmung. Und am nächsten Tag ist eigentlich nix anders, aber doch alles. Ich kann morgens nicht aufstehen, weil ich zutiefst deprimiert bin, ich liege wie ein Zombie im Bett und KANN nicht aufstehen. Kann auch nicht mit Kollege Schnürschuh Gassi gehen. Dann geht mein Mann die Morgenrunde und ich dafür die Abendrunde. Die gefällt mir momentan einfach besser. Es ist noch hell draußen und ich genieße den Wald so sehr, die Abendsonne, die Ruhe, das Runterkommen.

Ja, solche Tage gibt es eben auch.

Das Älterwerden hat aber auch Vorteile. Ich kenne mich so gut wie noch nie. Ich kenne meinen Körper so gut wie noch nie. Die meiste Zeit bin ich fit wie noch nie und habe keine großen Zipperlein.

Ich mag meine Freundschaften und schätze die Menschen, bei denen ich einfach so sein kann wie ich bin. Die mich mögen für das, was ich bin, und nicht für das, was ich mache. Das hat einen unschätzbaren Wert für mich bekommen, mich nicht verstellen zu müssen.

Je älter ich werde, desto weniger Zeit will ich nämlich vergeuden mit Menschen, die mir ein schlechtes Gefühl geben. Und je älter ich werde, desto schneller erkenne ich diese Menschen. Und die kann ich getrost absägen. Menschen, die andere schlecht machen, um sich selber besser zu fühlen, Menschen, die sich ständig über andere erheben, Menschen, die hinter dem Rücken einer Person schlimme Dinge über sie sagen... diese Menschen haben keinen Platz mehr in meinem Leben.

DAS ist ein Vorteil vom Älterwerden! Kein Schein mehr. Nur Sein!

Diese "Wechselphase" , auch gerne Midlife Crisis genannt, fange ich deshalb an zu schätzen. Vor zwanzig Jahren noch hatte ich das Gefühl, unsterblich zu sein und noch ewig Zeit zu haben. Jetzt weiß ich definitiv, das ist nicht so. Umso mehr will ich einfach viel mehr Dinge machen, die mir Spaß machen! Letzte Woche waren wir abends Trampolin springen! Mann, was das geil!


Es gab auch so ein Trapez, an dem man schwingen kann, und dann lässt man los und fällt in ein Becken voller Schaumstoffwürfel. Ich hab etwas länger gebraucht für den nötigen Mut, es dann aber doch gemacht, weil ich weiß, ich hätte es bereut, wenn ich weg gefahren wäre und den Sprung nicht gemacht hätte. Mann, was das toll! Ich hab es gleich ein zweites Mal gemacht!!

Und genauso will ich zukünftig meine Zeit verbringen. Jedenfalls immer mal wieder. Es gibt noch so viel zu sehen, so viel zu entdecken! Und so wenig wie möglich will ich davon auf "später" verschieben.

In drei Tagen zum Beispiel habe ich einen Friseurtermin und bekomme LOCKEN!! Ich freu mich krass drauf! Wie anders ich dann wohl aussehe...

Hört sich alles irgendwie nach einer typischen Torschlusspanik an und dem Drang, bloß nix zu verpassen. Und dann auch noch ´n neuer Look.. Oh Mann...

Ja, ist vielleicht so. Und ist auch gut so. Ganz ehrlich: ich war mit 19 Mutter und hab seitdem nicht viel anderes gemacht als Kinder großziehen und gleich im Anschluss mit meinem Mann eine Firma übernehmen, was bedeutete: viel Arbeit und noch mehr Stress. Ich habe dieses Leben fast jeden Tag genossen und es geliebt. Manche Tage nicht, aber das geht ja jedem so. Ich wollte es genauso und bereue nichts. Aber nun... nun ist es Zeit, nochmal drüber nachzudenken, wie es weiter geht. Genauso? Oder doch nicht?

Geht es jemandem von euch auch so? Und was habt ihr damit gemacht? Oder was wollt ihr damit machen? Würde mich echt mal interessieren.

So, und nun gibt´s n Kaffee an den Schreibtisch und dann geht´s weiter!

Habt eine gute Zeit!!




Donnerstag, 20. Dezember 2018

Runterkommen

Nun dauert es nicht mehr lange, und der Tag der Tage ist da....

WEIHNACHTEN!

Passend dazu habe ich mir spontan ein Buch bestellt von einem Amazon Gutschein, den ich geschenkt bekommen habe, und das ist ja soooo schön! Es heißt "Hygge", vom Glücksforscher Meik Viking. Er hat den geilsten Job der Welt, denn er forscht darüber, was Menschen glücklich macht.

Er ist Däne, und die Dänen sind eines der glücklichsten Völker der Welt. Sie haben einen hohen Steuersatz und es regnet fast die Hälfte des Jahres dort. Sie haben keine wirkliche Autoindustrie oder Rohstoffe, sie haben keine Berge zum Skifahren, und die Sommer sind auch nicht immer sonnig und strahlend. Der Autor schreibt "Ich liebe den Sommer in Dänemark! Es ist der schönste Tag im Jahr!"

Aber die Dänen haben HYGGE.

Hygge ist mehr als ein Begriff, es ist eine Lebenseinstellung. Es bedeutet Gemeinsamkeit, Frieden, gutes Essen, warmes Licht, Kerzen, Zuhören, Einfachheit, Natürlichkeit.

Die Dänen erklären jemanden, der am Wochenende arbeitet, zum Beispiel für verrückt. Gearbeitet wird in der Woche bis halb fünf, und dann ist wie bei Fred Feuerstein jeder schneller weg als man YAPADAPADUH sagen kann. Denn dann ist Familienzeit. Die Kinder werden abgeholt, es wird gemeinsam gekocht, gespielt, gegessen, zu Bett gebracht. Man trifft sich mit Freunden, man sitzt zusammen, und wer reden möchte, der darf reden, und man hört einander zu, und wer schweigen will, darf schweigen, und das ist auch in Ordnung.

Dänen haben den höchsten Pro-Kopf-Kerzenverbrauch der Welt. Danach kommen die Österreicher. Die Dänen haben die tollsten Lampen entworfen, und die gemütlichsten Möbel. Die haben´s einfach drauf, es sich schön zu machen. Ein Haus ohne Kerzen und viele kleine Lichtquellen ist dort unvorstellbar. Ein offenes Feuer, ein süßer Kuchen dazu - und Hygge ist perfekt!

Das ist voll mein Ding. Das Buch ist extrem süß und sympatisch geschrieben und ich gucke mir gerne ein paar Dinge davon ab, die mir noch fehlen für meinen Hygge-Faktor.

Vieles setze ich eh schon um, und unser Haus ist extrem hyggelig.

Aber wir sind halt auch Vollzeit arbeitend und selbstständig, und gerade in der Vorweihnachtszeit fällt uns auf, dass alle am Rad drehen. Wir möchten gerne auch so langsam runterkommen, hier unter uns verbleibenden Kollegen mal quatschen, auch mal was ins nächste Jahr schieben, was nicht mehr eilig ist.... aber das scheint dieses Jahr allen sehr schwer zu fallen.

Klar, die Weihnachtszeit ist nicht für alle besinnlich. Krankenschwestern müssen auch in dieser Zeit immer noch Hintern abwischen, alle im Einzelhandel müssen bis 10 Uhr abends arbeiten, der Müll muss abtransportiert werden und so weiter. Aber könnten nicht alle, die die Möglichkeit haben, allen anderen, die nicht die Möglichkeit haben, die Möglichkeit geben, einen Gang runterzuschalten?

Ziemlich viel "Möglichkeit". Aber is ja so. Das Leben ist voll davon. Es ist mir in der Tat möglich, an der Supermarktkasse entspannt zu bleiben, ein nettes Lächeln zu schenken, der Kassiererin einen schönen Tag zu wünschen und zu vermitteln: alles gut. Ich hab Zeit.

Es ist mir auch möglich, Dinge, die nicht lebenswichtig sind, aufzuschieben. Wenn ich jemand anderem damit Stress weg nehme, dann sollte ich das tun. Ich habe in der Tat gerade nicht so viel Verständnis für Kunden, die seit Wochen ein Geräusch am Auto haben, jetzt damit ankommen, sofort noch heute oder morgen (gefühlt ZWEI Tage vor Heiligabend!) einen Termin brauchen, es soll SOFORT jemand nach dem Geräusch gucken, das sie schon seit Wochen hören, und dann abziehen, noch unfreundliche Worte murmelnd, weil wir keinen Termin mehr frei haben.

Das tut nicht not. Nirgends auf der Welt tut so was not.

Heiligabend geöffnete Geschäfte? Tut für mich nicht not. Die armen Leute!!! Wann kommen die denn mal in Weihnachtsstimmung?? Ich unterstütze das nicht, ich kaufe NO WAY am Montag noch was ein. Was ich bis dahin nicht im Haus habe: Pech. Solange Nudeln, Mehl, Eier und irgendwas tomatiges vor Ort ist, werden wir nicht verhungern. Und das wird heute eingekauft. Und dann is Schicht im Schacht.

Dann wird sich zurückgezogen, und dann werden Kerzen angezündet, und dann kann man lesen, Weihnachtsfilme gucken, Popcorn essen, den ganzen Tag im Schlafanzug rum laufen und nicht ans Handy gehen.

Und dann kann man sich um die kümmern, die man gern hat. Und um sich selbst.

Macht´s euch hyggelig! Schaut, wo ihr Tempo rausnehmen könnt. Und macht euch die wunderschönsten Weihnachten!



Das war extrem hyggelig! Mit dem kleinen Levi und der ganzen Familie einen Tannenbaum aussuchen! Wenn mir die Füße nicht dabei eingefroren wären, hätte ich das noch Stunden machen können....


Und dazu ne Tasse heiße Schokolade. Perfektes Hygge.






Montag, 6. August 2018

Viel passiert...

.... und nix geschrieben, ein halbes Jahr lang..... ist das zu fassen!

Wir haben in diesem halben Jahr ein Haus gebaut und ein weiteres Enkelkind bekommen. Vom Haus gibt es demnächst ein großes Update, denn in ca. vier Wochen werden wir schon drin wohnen. Wirklich wirklich gibt es eine große Haustour, versprochen!

Unser zweites Enkelkind heißt LOLA und ist wunderschön! Sie ist jetzt ca. 6 Wochen alt und wird sicher mal ein Model. Oder die Welt retten. Oder sowas in der Art, denn sie ist ganz wunderbar und hübsch und einzigartig.

Levi ist jetzt großer Bruder und wird sicher mal Comedian. Er ist immer im Partymodus, immer gut drauf, immer ein Sonnenschein (manchmal auch ein Teufelchen), aber er hat so eine besondere Ausstrahlung, dass man immer lachen muss, wenn man ihn sieht. Ich lieb ihn so furchtbar dolle und könnte ihn immer nur knuddeln, wenn er da ist!


Unser Hausbau hat uns nach dem heftigen Jahr 2017 noch einmal auf eine ganz neue Achterbahnfahrt der Gefühle gesetzt. Man sagt ja, dass es drei Scheidungsgründe gibt, also drei wichtige Gründe, warum Paare sich trennen. Das sind Kinder (Check!), zusammen arbeiten (Check!) und ein Hausbau (CHECK!). Wir sind auch noch dazu selbstständig (CHECK CHECK CHECK).

Wir haben SO viel gestritten in diesem Jahr. Ich bin ja eine ganz normale Frau und kann daher im  Handumdrehen aus NICHTS einen Salat, einen Hut oder eine Szene machen. Mein Mann als ganz normaler Mann ist imstande, diese Szene durch sein Verhalten so aufzuschaukeln, dass danach alles gefühlt im Arsch ist. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass uns nichts mehr auseinanderbringen oder schocken kann, wenn wir das hier überstanden haben. Es ging bei unserem Hausbau nämlich so ziemlich alles schief. Es verging phasenweise KEIN TAG, an dem nicht eine Hiobsbotschaft kam.

Ich bin in manchen Nächten aufgewacht, dann fiel mir etwas ein, woran ich nicht gedacht habe, oder etwas, worüber ich mir Sorgen machte und ich wälzte mich rum und ich konnte partout nicht darüber einschlafen, und dann stand ich auf, setzte mich in unsere Küche und weinte erstmal eine Stunde lang. Ich weiß, dass ich manchmal sehr sehr anstrengend bin für meinen Mann. Ich bin so super emotional in manchen Dingen und konnte in diesem letzten Jahr einfach so losheulen aber auch einfach so wieder gut drauf sein und mich an Kleinigkeiten freuen. Über eine schöne Wandfarbe, über eine Treppe, über einen fertigen Zaun, über eine gute Idee, über eine gute Umsetzung.

Ich denke oft, dass manche in den Sack gehauen hätten. Ich bin deswegen sehr stolz auf uns, dass wir diesen Prozess durchgemacht haben und nicht aufgegeben haben. Dass wir immer weniger lange brauchen, um uns wieder zu vertragen und uns den wichtigen Dingen zu widmen. Wir haben sehr viel gelernt in diesem Jahr. Über uns, über unsere Beziehung. Das Leben ist eben nicht INSTAGRAMMABLE. Es ist dreckig und laut und manchmal ungerecht und manchmal unfair und dämlich und falsch. Aber es ist auch zum Totlachen, rührend, echt, innig, bunt und voll.



Das Foto hat unsere Schwiegertochter, die eine ganz großartige Paarfotografin ist, gemacht, kurz vor unserer Silberhochzeit im Mai. 25 Jahre sind wir nun verheiratet und lernen immer noch aneinander. Vielleicht haben es manche Paare leichter, vielleicht sind manche Paare vernünftiger, bessere Menschen und verständnisvoller als wir sind. Wir sind aber nun mal so und nicht anders.

So ist unser Leben nun mal, und wir sind dafür großartig darin geworden, Herausforderungen zu meistern. Was für andere eine Riesensache wäre, entlockt uns nur ein müdes Lächeln. Wir sind Meister geworden im "okay, das ist schief gegangen, was ist die Alternative?" Und dann: "okay, machen wir so. Geht auch."

Wir sind gut im Entschuldigen geworden. Im "ich wollte nicht so schlimme Sachen sagen." Und dann: "ich auch nicht. Das war kacke." Und wir wissen, dass wir nicht mehr sagen müssen:"wir streiten uns nie wieder." Weil das nicht geht. Wir werden uns wieder streiten, so wie wir das immer getan haben. Und uns wieder vertragen, wie wir das immer getan haben.

SEEEEHR viel Herzbewegung hat mir übrigens auch eine Serie verpasst, die ich so inhaliert habe wie zuletzt The Walking Dead:

Guckt unbedingt "This is us"!!!!! Ich mein das ernst, ihr MÜSST es gucken!! Die erste Staffel gibt es umsonst auf Amazon Prime, die zweite ist mit Untertiteln zu kaufen. Ich habe sie beide gesehen, und muss sagen, dass es eine der ehrlichsten, zu Herzen gehendsten, rührendsten, schönsten Serien ist, die ich je gesehen habe. Ich hab so oft geweint und gelacht zugleich, aber mehr geweint. Ich war verliebt in jeden Charakter und sehne mich nach der dritten Staffel. Es ist so viel Wahres und Gutes, was ich daraus gezogen habe, einfach nur WUNDERSCHÖN. Auch darin geht es darum, aneinander zu lernen, es geht um Toleranz, um Liebe, um Kinder, um Familie und um das, was wirklich zählt.

Tja. Das reicht erstmal für heute! Bald gibts mehr und vor allem Bilder vom Haus und allem innendrin!!



















Montag, 12. Februar 2018

Ich bin raus

Ich bin raus. Gestern Abend habe ich mich aus meinem Instagram Account verabschiedet. Und ich habe die App und auch die von Facebook von meinen Geräten entfernt. Ich bin raus.

Und dabei war ich voll drin. Ich habe mir Follower gekauft. Es gibt Apps oder Programme, mit denen das geht. Ich bekam in kürzester Zeit mehr und mehr Follower und der erste Griff morgens war der zum Handy. Ich hatte über Nacht wieder 10 mehr!!! Halleluja! Ich kannte keinen verdammten von diesen Leuten. Nie gesehen. Als ich den ersten Blow-Job live auf Instagram sah, von einem meiner gottverdammten Follower, die ich alle nicht kannte, schwante mir zum ersten Mal, dass da was nicht gut sein kann....

Ich fotografierte mein Essen, BEVOR ich es aß. Ich fotografierte mich nach dem Sport. Beim Sport. Beim Spaziergang mit Balu fotografierte ich meinen Hund. Und den Sonnenaufgang. Und den Sonnenuntergang. Meine braunen Beine am Swimmingpool im Urlaub. Meinen Cocktail. Unseren Weihnachtsbaum. Mein Outfit.

Und WHO THE FUCK CARES?

Nobody. Jeder macht den gleichen Scheiss und ist davon überzeugt, oder im frühen Stadium des Postens HOFFNUNGSVOLL, dass es die Welt da draußen interessiert. Dass es eure falschen Freunde da draußen interessiert. Die euch "Süße" nennen, obwohl sie noch nie im Leben mit euch einen gottverdammten Kaffee getrunken haben. Die euch Herzen senden, obwohl sie auf der Straße an euch vorbei laufen würden. Weil ihr euch nicht erkennen würdet. Denn ihr kennt euch nicht. Ihr kennt nur euer Abbild, das ihr der Welt da draußen sendet, eure Arrangements aus Müslischalen, Kaffeetassen und Blumen, wofür ihr auf den Stuhl steigen musstet, um das abzulichten. Müslis und Outfits. Müslis und Outfits. Bis man ganz crunchy wird im Kopf.

Und ich war dabei. Aber sowas von. Müslis und Outfits. Und immer den Blick auf die Likes. Mag das jemand? Und wie viele? Und warum nicht? Was stimmt an meinem Outfit nicht? Oder am Sonnenaufgang? Was poste ich als nächstes? Was bringt mir likes. Und was möchte ich der Welt da draußen vermitteln?

Der Vergleich ist der Anfang vom Unglücklichsein. Hat mal ein kluger Mensch gesagt. Beim Vergleich mit anderen können wir nur verlieren. Wir werden immer abkacken. Andere Leben sind vielleicht nicht aufregender oder stylischer oder romantischer. Es wird nur gekonnter erzählt, dass es so ist. Aber das wahre Leben findet bei euch statt. Es krabbelt vor euren Füßen, es wartet im Garten, es sitzt auf eurem Fahrrad, es liegt in eurem Bett.

Ich liiiieeebe schöne Bilder. Ästhetische Kompositionen. Tolle Farben. Insofern hat mich Instagram schnell angefixt. Und lange hing ich an dieser Nadel.

Aber es sind nur Bilder.

Ist das die Art, wie wir uns begegnen wollen? Ist das die Art, wie uns Menschen sehen sollen? Macht das die Welt auch nur einen winzigen Deut besser?

Den vorletzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich auf unserem Luke Mockridge Abend erhalten. In der Pause. Ich bin sitzen geblieben und mein Mann holte uns ein Getränk. Ich schaute mich um und sah nichts außer bloggende und postende junge Menschen. Mädels und Jungs. Hashtag Luke Mockridge. Hashtag geiler Abend. Selfies. Keiner redete mit dem anderen. Oder nur um zu sagen, mach mal n Foto. Und da dachte ich mir so: das ist traurig. Das muss aufhören. Auch für mich.

Den letzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich gestern abend erhalten, als ich eine Instagram Story erstellt habe, bei der es darum ging, dass man dann wieder jemanden benennt und der jemanden benennt und so weiter. Einer Person war das zu doof, und ich bin ihr dankbar dafür. Denn den Schubs brauchte ich noch, um mir klar zu werden, wie traurig das ganze ist. Und wie verlogen. Und wie ich an der Nadel des Gefallens hing. Und dass ich mir die jetzt ziehen muss.

Ich will nicht danach bemessen werden, wie viele mögen, was ich tue. Ich bin eigentlich ein Mensch, dem es herzlich egal ist, was andere von mir denken. Eigentlich. Und trotzdem habe ich mit gemacht. Dabei will ich nur mein Leben leben. Ohne daran zu denken, ob das Essen ein Foto wert ist. Oder jemand anderem ein Like.

Bewertet zu werden ist etwas, das uns direkt vergleichbar macht. Und Vergleiche sind der Anfang vom Unglücklichsein. Jemand, der mehr Follower hat, ist mehr wert. Für die Industrie. Für welchen Zweig auch immer, er ist mehr wert. Wie lange der Sprung noch dauert, bis jemand auch als Mensch offiziell mehr wert ist als andere, wenn er mehr Likes hat, ist abzuwarten. Aber ich tippe, dass es nicht mehr lange dauert.

Guckt euch "Black Mirror" Staffel 3 Folge 1 an. Dann wisst ihr, was ich meine. In so einer Welt wollen wir nicht leben.

Wir wollen in einer echten Welt leben. Mit echten Freunden. Mit denen wir quatschen und lachen können, ohne das jemand anderem danach mitteilen zu müssen. Hashtag geiler Abend. Hashtag lange nicht mehr so gelacht. Nee, einfach nur lachen. Und quatschen. Und das verfickte Handy einfach liegen lassen.

Wir wollen in einer Welt leben, in der es okay ist, wenn man zum Therapeuten rennen muss, weil es einem scheisse geht. In der man schwach sein darf. Und unschön. Und normal. Und langweilig. Und in der man Cellulite haben darf und trotzdem in die Badeanstalt geht. Weil man kein verficktes Foto davon machen muss, sondern einfach nur seinen Spaß haben darf. Und in der es okay ist, wenn man okay ist. Und den anderen einfach sein lässt, wie er ist.

Hashtag fuck of Instagram. Hashtag fuck off Facebook.

Und tschüss.

Und hallo, echtes Leben!