Donnerstag, 30. März 2017

Allergie ist ein Arschloch

Ich gehe sogar so weit, dass ich sage:

Allergie ist ein verf...tes Arschloch. Ich habe sooooo sehr den Kanal voll von meiner Allergie, dass ich ein neues Wort für "Kanal voll" erfinden müsste. Ich HASSE HASSE HASSE es.

Ich kann wegen meiner Allergie nicht mit auf eine Kurzreise nach Barcelona. Okay, es wäre geschäftlich gewesen, aber trotzdem habe ich mich so sehr darauf gefreut. Mal raus, fliegen, vielleicht etwas Sonne und Wärme, ein schönes Hotel....und Barcelona ist soooo wunderschön.

Aber: es gibt da nichts zu essen für mich. Die Zwei-Tages-Veranstaltung wird von spanischen Agenturen übernommen, es ist für den Veranstalter selbst ein Überraschungspaket, ich habe versucht, herauszufinden, ob es irgendwas gibt, was ich essen kann, aber nichts erreicht.

Ich kann im Flieger außer trockenen Sachen nichts mitnehmen, und zwei Tage Kekse oder trocken Brot essen will ich auch nicht.

Ich weiss auch, dass es natürlich schlimmeres gibt!!! Ich weiß, dass es Menschen gibt, die krank sind, die alles dafür geben würden, so leben zu können wie beispielsweise ich... ich weiß das und ich bin zu 99 Prozent meines Lebens der dankbarste Mensch auf Erden.

NUR NICHT JETZT GERADE.

Vielleicht kann das keiner nachvollziehen, der diese Scheiße nicht hat. Aber ich schildere mal ein Auswärtswochenende. Ich war mit meiner Mutter in Dresden.

Am Ankunftstag kommen wir am frühen Nachmittag in Dresden an. Mit dem Zug. Essen mitschleppen außer mein Brot war also nich. Wir tingeln so ein bisschen rum und ich esse eine Kugel Eis ohne Waffel. Wir setzen uns irgendwo noch mal zum Kaffee hin und ich trinke einen Latte. Kuchen kann ich nicht essen, heiße Waffeln riechen köstlich, darf ich aber nicht. Noch ein Eis... nee, danke.

Zum Abend spazieren wir durch die schöne Innenstadt und suchen was zu essen. Italiener, Chinese, Döner, Hamburger... alles da. Alles nix für mich. DA!!! Vapiano!!! Toll, ich habe irgendwo gelesen, dass die glutenfreie Nudeln im Sortiment haben. Wir ergattern draußen einen Tisch mit Blick auf die Frauenkirche, der Abend ist mild, Musik schallt herüber.. ein Traum!! Ich stelle mich in die lange Nudelschlange. Mit glänzenden Augen bestelle ich "einmal glutenfreie Nudeln mit Tomatensauce bitte:" Vor Dankbarkeit könnte ich fast heulen. Hier gibt es was zu essen für mich!!! Der Typ hinterm Tresen schaut betreten.....

"Tut mir leid, die Lieferung der glutenfreien Nudeln wurde mit den normalen Nudeln vertauscht... ich kann Ihnen die nicht anbieten..." Ich starre ihn an wie einen schlechten Witz. "Ernsthaft jetzt?"
Er zuckt die Schultern "Tut mir leid. Sie können sich einen Salat bestellen."

Juhu. Ich gehe ein paar Meter weiter und stelle mich in die Salatschlange. Stelle meinen Salat zusammen und frage den anderen Typen hinter dem Tresen, was in dem Dressing drin ist. Geschmacksverstärker darf ich nicht. Er weiß es nicht und muss jemanden holen, der es weiß. Der ist gerade nicht da. Die Schlange hinter mir wird länger. Ich hätte gerne ein Dressing, das ist doch wohl nicht zu viel verlangt... Es kommt jemand aus der Küche. "Wo ist die mit der Allergie?" ruft er in die Schlange. Ähhhh... das bin wohl ich. Superpeinlich. Er erklärt mir die Zutaten im Dressing und ich kann es nehmen. Kein Brot, danke. Sieht köstlich aus, darf ich nicht. 

So, zum Abendessen also Salat. 

Frühstück ist klar, Buffet, alles soweit okay, ich kann 50 Prozent davon nicht essen, wenn man das Brot und so noch mitzählt, darf ich 85 % nicht essen. Drauf geschissen, Frühstück ist eh nicht so meines Mahlzeit des Tages, das reicht schon.

Mittags.... wir waren zu einer Führung in der Semperoper, danach suchen wir Mittagessen. Wir landen wieder bei Vapiano, ich esse einen Salat. Abends suchen wir noch mal so richtig ernsthaft nach etwas anderem, wenn ich nochmal nur Salat essen muss, wächst mir ´n Puschel am Arsch.

Wir suchen eine Stunde lang. Wir landen letzten Endes bei Maredo, einem Steakhaus, von dem ich weiß, dass ich dort die Kartoffel mit Sour Creme essen kann. Ich esse eine. 

Nach dem Wochenende habe ich zwei Kilo abgenommen. Ist jetzt kein Drama, aber muss ich nicht unbedingt.

Und so ist jedes Auswärts-Essen. Jedes. Einladungen zu Grill Partys: es gibt höchstwahrscheinlich mariniertes Steak (darf ich nicht, wenn es fertig mariniert war, wegen Geschmacksverstärkern), Schinkengriller (darf ich nicht wegen geräuchert), Nudelsalat (ist klar, ne), Fladenbrot (ist ein no-brainer, oder?), Kräuterbaguette (wird nicht besser hier). 

Ich esse also vorher zu Hause was. Wenn ich dann nicht rüber kommen will wie eine dekadente, übertriebene, überhebliche, empfindliche KACKBRATZE, kann ich höchstens sagen, dass ich was am Magen habe. Wenn ich sage, dass ich das ALLES nicht essen kann, glaubt mir eh kein Mensch.

Wenn es so wäre, dass ich nach einem falschen Essen einfach nur Bauchweh hätte oder Durchfall - echt jetzt, kein Ding, ich würde es essen und meine Fresse halten. Aber ich bin leider richtig krank. Mit Schüttelfrost, Durchfall, geschwollenen Schleimhäuten, Krämpfen, Herzrasen. Zwei Tage lang. Im Bett. Keine Chance, aufzustehen und zu arbeiten. Danach brauch ich nochmal zwei Tage, bis normales Essen wieder geht. 

Toleranz kann ich mir also nicht leisten beim Essen. 

Und Barcelona jetzt abzusagen, war irgendwie der Tropfen, den mein Fass grad nicht mehr brauchte..

Ich hasse es, dass ich in vielen Bereichen einfach meine Gesellschaftsfähigkeit verloren habe. Dass ich Sachen einfach nicht mehr mitmachen kann. Dass es mich SO einschränkt. 

Zu Hause geht das alles gut. Und bei uns auf dem Hundeplatz im Verein richten sich alle beim Kochen danach, das ist einfach nur toll und ich bin unendlich dankbar dafür. Keiner macht sich da lustig, keiner stellt blöde Fragen, keiner macht dumme Sprüche. 

Aber WOANDERS sein wird für mich immer mehr zum Problem. Und ich werde immer biestiger, wenn es jemand nicht rafft und mir immer noch nach 6 Jahren Brot anbietet. Ein FAMILIENMITGLIED. Mein Hemmschwelle zur Garstigkeit sinkt in so einem Fall gegen Null und ich muss mich zusammenreißen, nicht nur was Blödes zu denken, sondern es auch zu sagen. 

Wenn ich dann noch lese, dass Allergien eine Modeerscheinung sind und dass viele Allergien nur eingebildet sind und dass es heutzutage wohl zum guten Ton gehört, mindestens eine Laktoseintoleranz zu haben (HAB ICH NICHT!!!!), dann könnte ich Regenbogenfarben kotzen. 

Ich würde ohne zu überlegen mindestens einen Finger opfern (zur Not auch meinen eigenen), um normal zu sein. Ich hab den Scheiß erst seit 6 Jahren. Und ich hasse es, so wie man Krebs hasst oder ein Furunkel am Hintern. 

Keine Ahnung, ob ihr es geschafft habt, bis zum Schluss zu lesen...;)) Aber irgendwie musste das mal raus. Ich bin grad einfach mal sehr angepisst. Geht auch wieder vorbei. 

ABER vielleicht hat´s einer gelesen, der bisher dachte, Lebensmittelallergien sind was für Pussis. Oder für Ökos oder für sonst irgendwelche Nerds, die sonst nix anderes zu tun und zu denken haben im Leben. Ich bin keiner von denen. Und ich hab so´n Kack auch. 

TROTZDEM: einen wundervollen Resttag für euch, einen entspannten Freitag und ein sonniges Wochenende! Wir haben am Samstag den ganzen Tag unseren kleinen Levi bei uns, ich freue mich darauf und mache mir einen tollen Tag mit ihm!


Samstag, 25. Februar 2017

Was gibt´s Neues?

Ich hab tatsächlich vor zwei Monaten zuletzt etwas geschrieben! Oh Shit... das ist übel....

Ich hab nicht mal ne Entschuldigung...oder Ausrede dafür.. denn hier passiert nur das ganz normale Leben... vielleicht hab ich einfach nicht viel zu erzählen...aber vielleicht MUSS man ja auch nicht immer das allertollste, allerneueste, aufregendste Leben erzählen, vielleicht reicht es ja auch mal aus, wenn ich ein Lebenszeichen gebe.

Okay? Wollen wir so machen?

Hier ist alles gut.

Unser kleiner Levi wächst und gedeiht soooo gut, dass einem das Herz aufgeht!


Er ist so ein hübscher, lustiger, aufgeweckter kleiner Kerl, ich bin ganz Oma-stolz. Ich hab aber jedes Mal, wenn ich auf ihn achten darf, solche Angst, dass ihm unter meiner Obhut etwas zustößt, dass es mich ganz irre macht. Bei meinen eigenen Kindern war ich VÖLLIG unbedarft. Benni ist mir sogar mal vom Wickeltisch gefallen. Johanna hat sich unter meiner Aufsicht den Arm gebrochen. 

Bei Levi kommen mir solche Sachen in den Kopf wie "was ist, wenn meine Arme auf einmal ausfallen? Einfach so den Dienst quittieren und Levi fallen lassen?" 
"Was, wenn ich mit ihm durch die Tür gehe und seinen Kopf an den Türrahmen haue, aus Blödheit?"  Und später, wenn er laufen kann.... "Was, wenn er hinfällt und sich etwas bricht? So wie MEIN EIGENES KIND auch?"

Demnächst werde ich einen GANZEN TAG auf ihn aufpassen müssen dürfen. Nicht, dass ich das nicht möchte, ich möchte ihn am liebsten den ganzen Tag nur knuddeln und seinen süßen Babygeruch einatmen und in Marmeladengläser abfüllen. Aber diese Verantwortung! Oh Mann, hätte ich nicht gedacht, dass OMA-Sein viel krasser ist als MAMA-Sein.

Und sonst so?

Benni macht sich ganz hervorragend als Verkäufer in unserer Firma. Ich bin da ganz MAMA-stolz. Wir kommen gut miteinander aus, und ich hoffe einfach, dass das so bleibt und ich nicht irgendwann rumheulen muss, dass wir uns nicht mehr verstehen oder so... Ich will einfach die gute Beziehung, die wir jetzt lange hatten, nicht aufs Spiel setzen. Aber ich denke, es könnte klappen.

Hört sich ingesamt so an, als wäre ich etwas Paranoia-behaftet im Moment....

Nö, das nicht. Ich hänge nur ganz arg momentan an dem, wie es ist und möchte nicht, dass es aufhört, gut zu sein. Ich möchte einfach mal KEINE SORGEN haben. Nur mal leben, für einen gewissen Zeitraum. Ich weiß, dass man keinen Einfluss hat auf das, was eben passiert. Aber je mehr Menschen in mein Leben treten, die ich liebe, desto größer werden meine Sorgen. Ich hab früher nie verstanden, dass man mir sagte "Fahr vorsichtig" SO EIN SCHEISS. Natürlich fahr ich NICHT vorsichtig. Das Leben ist kurz, mein Auto ist schnell, so warum zum Teufel soll ich vorsichtig fahren?!

Jetzt fahre ich vorsichtig (meistens....). Und sage anderen, sie sollen es tun. Anderen, die ich liebe. Denn was wäre, wenn denen etwas zustößt? Ich sage also lieber, sie sollen vorsichtig fahren, obwohl ich weiß, dass es rein GAR NICHTS ändert. 

Ja, ja, lacht nur. Bis ihr selbst mal ENKEL habt. Oder Schwiegertöchter. Oder überhaupt mal KINDER. Dann sprechen wir uns wieder, Leute....

Tja. Ansonsten haben wir Johannas 20. Geburtstag gefeiert. Ich verschon euch mit Erläuterungen darüber, wie stolz ich auf sie bin, wie sehr ich sie liebhab, wie sehr ich sie immer noch beschützen will, aber sie es auf Teufel komm raus nicht mehr will, was ich sehr gut finde, aber mich noch immer daran gewöhnen muss, dass sie eben jetzt ERWACHSEN ist.

Hier ist ein Teil ihres Geburtstagsfrühstücks.


Ich mag außerdem immer mehr und immer noch, wie wir wohnen und liebe meine neue Küchenwandfarbe und meine Wohnzimmereinrichtung und finde überhaupt alles echt gemütlich und schön bei uns!



Uuuuuund: ich bin ja so dermaßen auf dem Fitness-Trip, das ist ja echt unglaublich! Ich bekomme zur Zeit nicht genug von Bewegung, guter Ernährung und all dem, was damit zusammenhängt. 


Dreimal mindestens in der Woche Sport. Laufband, Cross-Trainer, Gewichte heben...



Ich glaube, ich hab inzwischen bei unserem REWE ein Abo auf Avocados, Mangos, Bananen und Himbeeren, ich liebe meine Smoothies am Morgen, mein frisch gebackenes Brot mit Hüttenkäse und Avocadoscheiben, dazu Tomaten oder Radieschen, meine Dattel-Energy-Bällchen am Nachmittag.. und abends ab zum Sport und danach noch einen feinen Shake aus Bananen, Mandelmilch, Datteln und Haferflocken..... genial! Mal gucken, wie lange dieser Trip anhält, aber ich bin da guter Hoffnung! Habe schon abgenommen und echt Muskeln aufgebaut und mein Bauch ist fester und meine Winke-Arme, die im Ansatz schon da waren, sind auch weg! Toll!

Ansonsten.
schau ich in meiner wenigen verbleibenden Zeit, in der ich nicht auf dem Hundeplatz binoder beim Sport (oder arbeiten!!), lieber Netflix als Fernsehen. Ich KANN diesen ganzen Scheiß in der Glotze mittlerweile gar nicht mehr ertragen. Nur noch Tatort am Sonntag, der geht. Alles andere macht mich nach 10 Minuten so sauer, dass ich auf Netflix umschalte und lieber das schaue:

- House of Cards, mittlerweile Staffel 3
- The Returned
- Santa Clarita Diet
- Stranger Things natürlich, und ich warte auf Staffel 2 im Oktober!!
- Call the Midwife
- und jetzt mal anfangen mit "Designated Survivor"

YEP. Das war´s soweit, das war mein Update. Nix dolles, nix aufregendes. Für den Moment gut so. Wir hatten im letzten Jahr SO VIEL aufregendes Leben, dass ich jetzt zum ersten Mal mal runterkomme und anfange, normal zu leben. So wie andere Leute eben. Keine Ahnung, wie lange ich das gut finde. Wahrscheinlich noch ein paar Wochen und dann kommt entweder die nächste Herausforderung oder ich such mir eine.

Habt ein schönes Wochenende und achtet auf euch.!

Achja. Und:

FAHRT VORSICHTIG!!

Donnerstag, 29. Dezember 2016

Resüme

Schreibt man das so? Resüme? Oder mit Doppel e hinten? Keinen Plan...

Wie immer zum Jahresende kommt aber mein Resüme, das hat gute alte Tradition, das ist schön, einmal zurückzublicken. Einmal durchatmen und ins neue Jahr starten.

Das Jahr 2016 war so voll, soooo voll mit Ereignissen, mit Gefühlen, mit so unglaublich anrührenden und unglaublich ans Herz gehenden Dingen. Unsere Tochter hat ihre Ausbildung in Hamburg beendet, sich in Hannover beworben, die Stelle bekommen und wohnt seit dem 17.09. wieder hier bei uns am Ort. In einer eigenen Wohnung!

Unsere anderen beiden Hamburger haben uns zu Großeltern gemacht. Und sind vor vier Wochen in unsere Nähe gezogen. Unser Sohn fängt in drei Tagen bei uns im Verkauf an.

Wir haben einen großen Umbau in der Firma hinter uns.

Ja, das waren die großen Dinge.

Ich glaube, ich hab noch nie so viel geheult wie in diesem Jahr. Wir haben ganz viel gestritten. Und haben ganz viel geklärt. Wir haben viele Federn gelassen. Aber wir fliegen noch.

Ich habe vieles in diesem Jahr klarer gesehen als sonst. Ich war zu vielen Menschen netter und zu manchen nicht mehr nett. Ich habe mich oft gefragt, ob etwas noch gut für mich ist oder nicht mehr. Ich habe Dinge abgeschafft.

Ich habe erfahren, dass es Zeiten gibt, in denen ich nicht an mich denke, sondern nur an das, was getan werden muss und wie ich anderen helfen kann. Und dass es Zeiten gibt, in denen es nicht so ist.

Ich tue keinem einen Gefallen mehr, der ihn nicht wert ist. Ich gehe nicht mehr zu Pflichtterminen, ich sage bei Terminen ab, zu denen ich früher gegangen wäre, weil man das so macht.

Ich war das erste Mal seit Jahren nicht einmal krank in diesem Jahr. Jedes andere Jahr war ich zu Weihnachten krank, dieses Jahr zum ersten Mal nicht.

Ich gehe zu meinem Sport, ich passe auf mich und meine Lieben auf, ich sammel meine kleine feine Familie um mich und versuche, meinen Mikrokosmos aus echter Zuneigung zu hegen und zu pflegen.

Das Wort Familienbande hat in diesem Jahr noch mehr Bedeutung für mich bekommen.

Ich habe echte Freundschaft erfahren in diesem Jahr.

Wir haben ein tolles Familiensommerfest gefeiert und denken heute noch gerne an diesem großartigen Tag zurück.

Wir hatten ein reiches Jahr. Ich fühlte mich in manchen Momenten so dermaßen gesegnet mit allem, was ich habe, ich bin so froh für ein so volles Leben, für all die Momente, in denen ich nicht fassen konnte, dass ich das erleben darf, dass ich so viel habe, und womit ich es verdient hab.












Ich bin sooo gespannt auf 2017. Keine Ahnung, wie man das letzte Jahr noch toppen kann, aber bis jetzt hat´s immer geklappt, auch wenn ich´s nie gedacht hätte.

Euch einen feinen guten Rutsch!

Mittwoch, 16. November 2016

Große Gefühle

Echt lange nix geschrieben, und das ist immer ein Zeichen für "eindeutig zu viel Leben los im Moment."

Wenn ich rückblickend meinen Blog anschaue, ist es für mich aber wie eine Art Tagebuch, und meine Gefühle zu bestimmten Dingen immer mal wieder zu lesen, gibt mir eine ganz andere Sicht auf Dinge. Deshalb möchte ich auch nicht damit aufhören.

Wir sind Großeltern geworden! Es war ein bisschen früher als geplant, der Kleine kam 6 Wochen überraschend zu früh auf die Welt und es war einfach nur nervenaufreibend und schön und aufregend und überwältigend zugleich.




Dass man an diesem Kreislauf mitgewirkt hat und dass es weiter geht, auch wenn man selbst nicht mehr da ist, das ist gut so. Mit jedem kleinen Menschen, der geboren wird und liebevoll aufwächst und die Chance hat, ein guter Mensch zu werden, wird das Risiko geringer, dass alles den Bach runtergeht. So global gesehen. 

Zu sehen, dass das eigene Kind ein Kind bekommt und von nun an so wie man selbst mit schlaflosen Nächten, Sorgen, Tränen, Glück bis zum Umfallen und nie gekannten Emotionen konfrontiert wird, ist auch ein erhebendes Gefühl.

Mit dem ersten Enkelkind wird einem auch die Endlichkeit des Daseins ganz klar. Man ist ja nicht blöd und weiß, man wird irgendwann ja sterben. Aber gefühlt die Hälfte meines Lebens fühlte ich mich geradezu unsterblich. Alles drehte sich um mich, meine Gefühle, später unsere Kinder, unsere Sorgen und Nöte, unsere Bedürfnisse....

Aber nun....alles ist einfach ein Stück weiter weg gerückt. In dem Buch "Ein Mann namens Ove" wird dieses Gefühl sehr gut beschrieben. Die Hälfte seines Lebens lebt man nur für sich. Für SEIN Leben. Das dreht sich irgendwann und man fängt an, nicht mehr für die eigene Zukunft zu leben, sondern für die der anderen. Der Kinder und Enkelkinder. Ich kann es offensichtlich nicht beschreiben, aber das Gefühl ist so. Einfach etwas weggerückt vom eigenen Leben. 

An der Stelle in dem Buch musste ich weinen. Das ist aber auch dem Ort und der Zeit geschuldet, an der ich diese Stelle las. Es war auf Baltrum im Mai. Wir waren mit unseren Kindern dort und hatten ein paar Tage Familienurlaub gemacht. Am Abend vorher hatten wir erfahren, dass wir Großeltern werden. Ich war so perplex und überrascht, dass ich gar nicht wirklich darauf reagieren konnte. Also, schon konnte ich reagieren, aber mein Herz noch nicht. 
An dem Morgen lag ich unter dem Dach im Ferienhaus im warmen Bett. Ich hatte gerade eine SMS von meinem Mann bekommen, der sich schon mit unserem Hund aus dem Haus geschlichen hatte und bei dem Sauwetter Brötchen holen war. Ein Foto vom verwehten Strand mit einer milchig aufgehenden Sonne und eine Nachricht "Bleib ruhig liegen, ich bin schon unterwegs" und ein Herz dabei. 
Das Bett war so warm und unter mir im Haus schliefen die drei liebsten Menschen in meinem Leben auch in ihren warmen Betten. Einer davon war mit unserem Enkelkind schwanger. Der vierte liebste Mensch war mit meinem liebsten Hund unterwegs. Der Regen fiel auf das Dachfenster und ich lag so warm und geborgen unter diesem Dach. Und an dem Morgen fühlte ich mich so gnadenlos gesegnet mit allem was ich hatte, dass ich an der Stelle im Buch weinen musste. Vor Dankbarkeit.

 Ja, so ist das.

Große Gefühle eben.

Habt einen schönen Abend ihr alle....







Sonntag, 24. Juli 2016

Sätze, die ein Verkäufer nicht hören möchte..

Es gibt zwei Sätze, die einen Verkäufer, in dem Fall mal MICH, auf der Stelle unmotiviert machen.

Der erste Satz ist der: "Wir haben´s ja nicht eilig, wir wollten uns nur mal informieren." Davor ist aber bereits eine ausgiebige Probefahrt gelaufen, eine ebenso ausgiebige Erläuterung des Fahrzeuges, ein sorgfältig kalkuliertes Angebot - und DANN fällt dieser Satz. Und der geht noch weiter.
"Wir dachten da an nächstes Jahr, bis Herbst 2017 hat unser Auto noch TÜV, und dann brauchen wir vielleicht was Neues, da dachten wir, wir schauen uns schon mal um."

Bis dahin fließt echt noch VIEL Wasser den Rhein runter. Bis dahin haben wir dreimal Quartalswechsel und andere Konditionen, bis dahin haben wir bereits ein paar Upgrades von Modellen gehabt, und wir fangen dann wieder ganz von vorn an. WENN wir uns überhaupt wieder sehen, das steht in den Sternen.

Der zweite Satz, den Verkäufer nicht gerne hören, und den speziell ich nicht nur nicht gern höre, sondern bei dem mir der Hals platzt, ist der: "Wir haben ja auch schon ein Angebot aus dem Internet."

Das INTERNET ist in dem Fall immer "meinauto.de". Die Plattform ist die Pest, ganz einfach. Man kann als Händler seine Seele verkaufen und sich dort anmelden. Das machen einige Händler also. Der Kunde erhält im Internet sein Angebot für einen Neuwagen, den er dann bei eben diesem Händler abholen kann. Er bekommt die Schlüssel ausgehändigt und soll dann so schnell wie möglich Haus und Hof des Händlers verlassen. Es gibt weder eine Erläuterung des Fahrzeuges noch Fußmatten oder Verbandstasche oder ein nettes Wort, außer "vielen Dank für den Kauf und Gute Fahrt".

Für Erklärungen haben diese Händler, die ihre Seele verkauft haben, auch keine Zeit, denn Zeit ist Geld. Und Geld ist an dem Geschäft nicht über. Es ist ein Punkt auf der Zulassungsliste, mehr nicht.

Da an diesem Geschäft kein Geld verdient wird, ist das Angebot natürlich günstig. Dafür kaufen wir das Fahrzeug nicht mal ein. Ich bin also nicht wettbewerbsfähig und verliere dieses Geschäft. An Herrn Internet. Ich habe vorher selbstverständlich aber die Probefahrt angeboten, und der Kunde hat dankend angenommen. Ich habe das Fahrzeug erklärt. Das kann meinauto.de nämlich nicht, die können nur die Plattform bieten und der Händler (der seine Seele verkauft hat) soll es nur ausliefern.

meinauto.de wird auch nicht rauskommen, wenn im Winter dein Auto nicht anspringt, weil die Batterie schwach ist. meinauto.de weiß auch nicht, dass du gerade eine Chemotherapie machst und zu schwach bist, dein Auto zum TÜV zu uns zu bringen, und meinauto.de wird das Auto auch nicht bei dir zu Hause abholen und es dir wieder bringen. meinauto.de weiß nicht, dass du deinen Kaffee schwarz trinkst, wenn du hier bei uns im Wartebereich sitzt und meinauto.de fragt auch nicht, wie es deinem Mann nach seiner Herzoperation geht. meinauto.de muss auch nicht in die neuesten Diagnosegeräte investieren, muss keine neuen CI-Richtlinien umsetzen und muss auch keine Seminare für die Mechaniker und Verkäufer belegen.  

Das machen alles nur wir.

meinauto.de ist nur dafür zuständig, den Händler, der seine Seele nicht verkaufen will, kaputt zu machen.

Man kann ja einfach auch seine Seele verkaufen und sich damit entschuldigen "wenn ich es nicht tue, tut es jemand anderes". Und dann auch einfach auf diese Art Autos verkaufen (äh, verschenken).

Bevor ich das tue, schmeiß ich lieber alles hin. Niemals wird es passieren, dass ich diese Art des Verkaufens akzeptiere. Was schlecht ist, wird nicht dadurch gut, dass es viele tun. Und was gut ist, wird nicht dadurch schlecht, dass es nur wenige tun.

Wenn das die Zukunft des Verkaufens ist, dann bin ich raus aus der Nummer.

Ich liebe meinen Job, und zwar genauso wie er sein sollte: eine Kennenlernphase, ein Annähern, eine Diskussion, ein Vergleichen, ein Kompromiss, ein ewiger Lernprozess, manchmal tiefe Verbundenheit, oft Spaß und Lachen, manchmal auch ein Auseinandergehen, weil es nicht passt. Aber chancenlos zu sein, komplett chancenlos, wegen eines verdammten Preises - nein, das will ich nicht.

So, das musste ich mal schreiben. Ich hoffe, diese Pest von Internetplattform ist nur eine temporäre Geschichte und alle besinnen sich wieder auf die alten Werte.

Mir ist auch klar, dass dieses Problem nicht nur wir haben. Sondern auch viele andere. Und es ist für viele andere genauso existentiell wie für uns.

Bitte bitte, denkt einfach drüber nach, wenn ihr eine Anschaffung tätigt. Das wäre echt schon mal ein Schritt in die richtige Richtung....