Donnerstag, 29. Dezember 2016

Resüme

Schreibt man das so? Resüme? Oder mit Doppel e hinten? Keinen Plan...

Wie immer zum Jahresende kommt aber mein Resüme, das hat gute alte Tradition, das ist schön, einmal zurückzublicken. Einmal durchatmen und ins neue Jahr starten.

Das Jahr 2016 war so voll, soooo voll mit Ereignissen, mit Gefühlen, mit so unglaublich anrührenden und unglaublich ans Herz gehenden Dingen. Unsere Tochter hat ihre Ausbildung in Hamburg beendet, sich in Hannover beworben, die Stelle bekommen und wohnt seit dem 17.09. wieder hier bei uns am Ort. In einer eigenen Wohnung!

Unsere anderen beiden Hamburger haben uns zu Großeltern gemacht. Und sind vor vier Wochen in unsere Nähe gezogen. Unser Sohn fängt in drei Tagen bei uns im Verkauf an.

Wir haben einen großen Umbau in der Firma hinter uns.

Ja, das waren die großen Dinge.

Ich glaube, ich hab noch nie so viel geheult wie in diesem Jahr. Wir haben ganz viel gestritten. Und haben ganz viel geklärt. Wir haben viele Federn gelassen. Aber wir fliegen noch.

Ich habe vieles in diesem Jahr klarer gesehen als sonst. Ich war zu vielen Menschen netter und zu manchen nicht mehr nett. Ich habe mich oft gefragt, ob etwas noch gut für mich ist oder nicht mehr. Ich habe Dinge abgeschafft.

Ich habe erfahren, dass es Zeiten gibt, in denen ich nicht an mich denke, sondern nur an das, was getan werden muss und wie ich anderen helfen kann. Und dass es Zeiten gibt, in denen es nicht so ist.

Ich tue keinem einen Gefallen mehr, der ihn nicht wert ist. Ich gehe nicht mehr zu Pflichtterminen, ich sage bei Terminen ab, zu denen ich früher gegangen wäre, weil man das so macht.

Ich war das erste Mal seit Jahren nicht einmal krank in diesem Jahr. Jedes andere Jahr war ich zu Weihnachten krank, dieses Jahr zum ersten Mal nicht.

Ich gehe zu meinem Sport, ich passe auf mich und meine Lieben auf, ich sammel meine kleine feine Familie um mich und versuche, meinen Mikrokosmos aus echter Zuneigung zu hegen und zu pflegen.

Das Wort Familienbande hat in diesem Jahr noch mehr Bedeutung für mich bekommen.

Ich habe echte Freundschaft erfahren in diesem Jahr.

Wir haben ein tolles Familiensommerfest gefeiert und denken heute noch gerne an diesem großartigen Tag zurück.

Wir hatten ein reiches Jahr. Ich fühlte mich in manchen Momenten so dermaßen gesegnet mit allem, was ich habe, ich bin so froh für ein so volles Leben, für all die Momente, in denen ich nicht fassen konnte, dass ich das erleben darf, dass ich so viel habe, und womit ich es verdient hab.












Ich bin sooo gespannt auf 2017. Keine Ahnung, wie man das letzte Jahr noch toppen kann, aber bis jetzt hat´s immer geklappt, auch wenn ich´s nie gedacht hätte.

Euch einen feinen guten Rutsch!

Mittwoch, 16. November 2016

Große Gefühle

Echt lange nix geschrieben, und das ist immer ein Zeichen für "eindeutig zu viel Leben los im Moment."

Wenn ich rückblickend meinen Blog anschaue, ist es für mich aber wie eine Art Tagebuch, und meine Gefühle zu bestimmten Dingen immer mal wieder zu lesen, gibt mir eine ganz andere Sicht auf Dinge. Deshalb möchte ich auch nicht damit aufhören.

Wir sind Großeltern geworden! Es war ein bisschen früher als geplant, der Kleine kam 6 Wochen überraschend zu früh auf die Welt und es war einfach nur nervenaufreibend und schön und aufregend und überwältigend zugleich.




Dass man an diesem Kreislauf mitgewirkt hat und dass es weiter geht, auch wenn man selbst nicht mehr da ist, das ist gut so. Mit jedem kleinen Menschen, der geboren wird und liebevoll aufwächst und die Chance hat, ein guter Mensch zu werden, wird das Risiko geringer, dass alles den Bach runtergeht. So global gesehen. 

Zu sehen, dass das eigene Kind ein Kind bekommt und von nun an so wie man selbst mit schlaflosen Nächten, Sorgen, Tränen, Glück bis zum Umfallen und nie gekannten Emotionen konfrontiert wird, ist auch ein erhebendes Gefühl.

Mit dem ersten Enkelkind wird einem auch die Endlichkeit des Daseins ganz klar. Man ist ja nicht blöd und weiß, man wird irgendwann ja sterben. Aber gefühlt die Hälfte meines Lebens fühlte ich mich geradezu unsterblich. Alles drehte sich um mich, meine Gefühle, später unsere Kinder, unsere Sorgen und Nöte, unsere Bedürfnisse....

Aber nun....alles ist einfach ein Stück weiter weg gerückt. In dem Buch "Ein Mann namens Ove" wird dieses Gefühl sehr gut beschrieben. Die Hälfte seines Lebens lebt man nur für sich. Für SEIN Leben. Das dreht sich irgendwann und man fängt an, nicht mehr für die eigene Zukunft zu leben, sondern für die der anderen. Der Kinder und Enkelkinder. Ich kann es offensichtlich nicht beschreiben, aber das Gefühl ist so. Einfach etwas weggerückt vom eigenen Leben. 

An der Stelle in dem Buch musste ich weinen. Das ist aber auch dem Ort und der Zeit geschuldet, an der ich diese Stelle las. Es war auf Baltrum im Mai. Wir waren mit unseren Kindern dort und hatten ein paar Tage Familienurlaub gemacht. Am Abend vorher hatten wir erfahren, dass wir Großeltern werden. Ich war so perplex und überrascht, dass ich gar nicht wirklich darauf reagieren konnte. Also, schon konnte ich reagieren, aber mein Herz noch nicht. 
An dem Morgen lag ich unter dem Dach im Ferienhaus im warmen Bett. Ich hatte gerade eine SMS von meinem Mann bekommen, der sich schon mit unserem Hund aus dem Haus geschlichen hatte und bei dem Sauwetter Brötchen holen war. Ein Foto vom verwehten Strand mit einer milchig aufgehenden Sonne und eine Nachricht "Bleib ruhig liegen, ich bin schon unterwegs" und ein Herz dabei. 
Das Bett war so warm und unter mir im Haus schliefen die drei liebsten Menschen in meinem Leben auch in ihren warmen Betten. Einer davon war mit unserem Enkelkind schwanger. Der vierte liebste Mensch war mit meinem liebsten Hund unterwegs. Der Regen fiel auf das Dachfenster und ich lag so warm und geborgen unter diesem Dach. Und an dem Morgen fühlte ich mich so gnadenlos gesegnet mit allem was ich hatte, dass ich an der Stelle im Buch weinen musste. Vor Dankbarkeit.

 Ja, so ist das.

Große Gefühle eben.

Habt einen schönen Abend ihr alle....







Sonntag, 24. Juli 2016

Sätze, die ein Verkäufer nicht hören möchte..

Es gibt zwei Sätze, die einen Verkäufer, in dem Fall mal MICH, auf der Stelle unmotiviert machen.

Der erste Satz ist der: "Wir haben´s ja nicht eilig, wir wollten uns nur mal informieren." Davor ist aber bereits eine ausgiebige Probefahrt gelaufen, eine ebenso ausgiebige Erläuterung des Fahrzeuges, ein sorgfältig kalkuliertes Angebot - und DANN fällt dieser Satz. Und der geht noch weiter.
"Wir dachten da an nächstes Jahr, bis Herbst 2017 hat unser Auto noch TÜV, und dann brauchen wir vielleicht was Neues, da dachten wir, wir schauen uns schon mal um."

Bis dahin fließt echt noch VIEL Wasser den Rhein runter. Bis dahin haben wir dreimal Quartalswechsel und andere Konditionen, bis dahin haben wir bereits ein paar Upgrades von Modellen gehabt, und wir fangen dann wieder ganz von vorn an. WENN wir uns überhaupt wieder sehen, das steht in den Sternen.

Der zweite Satz, den Verkäufer nicht gerne hören, und den speziell ich nicht nur nicht gern höre, sondern bei dem mir der Hals platzt, ist der: "Wir haben ja auch schon ein Angebot aus dem Internet."

Das INTERNET ist in dem Fall immer "meinauto.de". Die Plattform ist die Pest, ganz einfach. Man kann als Händler seine Seele verkaufen und sich dort anmelden. Das machen einige Händler also. Der Kunde erhält im Internet sein Angebot für einen Neuwagen, den er dann bei eben diesem Händler abholen kann. Er bekommt die Schlüssel ausgehändigt und soll dann so schnell wie möglich Haus und Hof des Händlers verlassen. Es gibt weder eine Erläuterung des Fahrzeuges noch Fußmatten oder Verbandstasche oder ein nettes Wort, außer "vielen Dank für den Kauf und Gute Fahrt".

Für Erklärungen haben diese Händler, die ihre Seele verkauft haben, auch keine Zeit, denn Zeit ist Geld. Und Geld ist an dem Geschäft nicht über. Es ist ein Punkt auf der Zulassungsliste, mehr nicht.

Da an diesem Geschäft kein Geld verdient wird, ist das Angebot natürlich günstig. Dafür kaufen wir das Fahrzeug nicht mal ein. Ich bin also nicht wettbewerbsfähig und verliere dieses Geschäft. An Herrn Internet. Ich habe vorher selbstverständlich aber die Probefahrt angeboten, und der Kunde hat dankend angenommen. Ich habe das Fahrzeug erklärt. Das kann meinauto.de nämlich nicht, die können nur die Plattform bieten und der Händler (der seine Seele verkauft hat) soll es nur ausliefern.

meinauto.de wird auch nicht rauskommen, wenn im Winter dein Auto nicht anspringt, weil die Batterie schwach ist. meinauto.de weiß auch nicht, dass du gerade eine Chemotherapie machst und zu schwach bist, dein Auto zum TÜV zu uns zu bringen, und meinauto.de wird das Auto auch nicht bei dir zu Hause abholen und es dir wieder bringen. meinauto.de weiß nicht, dass du deinen Kaffee schwarz trinkst, wenn du hier bei uns im Wartebereich sitzt und meinauto.de fragt auch nicht, wie es deinem Mann nach seiner Herzoperation geht. meinauto.de muss auch nicht in die neuesten Diagnosegeräte investieren, muss keine neuen CI-Richtlinien umsetzen und muss auch keine Seminare für die Mechaniker und Verkäufer belegen.  

Das machen alles nur wir.

meinauto.de ist nur dafür zuständig, den Händler, der seine Seele nicht verkaufen will, kaputt zu machen.

Man kann ja einfach auch seine Seele verkaufen und sich damit entschuldigen "wenn ich es nicht tue, tut es jemand anderes". Und dann auch einfach auf diese Art Autos verkaufen (äh, verschenken).

Bevor ich das tue, schmeiß ich lieber alles hin. Niemals wird es passieren, dass ich diese Art des Verkaufens akzeptiere. Was schlecht ist, wird nicht dadurch gut, dass es viele tun. Und was gut ist, wird nicht dadurch schlecht, dass es nur wenige tun.

Wenn das die Zukunft des Verkaufens ist, dann bin ich raus aus der Nummer.

Ich liebe meinen Job, und zwar genauso wie er sein sollte: eine Kennenlernphase, ein Annähern, eine Diskussion, ein Vergleichen, ein Kompromiss, ein ewiger Lernprozess, manchmal tiefe Verbundenheit, oft Spaß und Lachen, manchmal auch ein Auseinandergehen, weil es nicht passt. Aber chancenlos zu sein, komplett chancenlos, wegen eines verdammten Preises - nein, das will ich nicht.

So, das musste ich mal schreiben. Ich hoffe, diese Pest von Internetplattform ist nur eine temporäre Geschichte und alle besinnen sich wieder auf die alten Werte.

Mir ist auch klar, dass dieses Problem nicht nur wir haben. Sondern auch viele andere. Und es ist für viele andere genauso existentiell wie für uns.

Bitte bitte, denkt einfach drüber nach, wenn ihr eine Anschaffung tätigt. Das wäre echt schon mal ein Schritt in die richtige Richtung....



Montag, 13. Juni 2016

Aufreger des Tages

Wie geil ist das denn? Die Bahn denkt über sekundengenaue Schließung der Türen nach, um NOCH pünktlicher abfahren zu können. Noch pünktlicher, kaum zu glauben, das wäre ja nicht auszuhalten. Die Warnung der Bahn vorab: wer dann in letzter SEKUNDE (um die geht es ja jetzt, um Sekunden) noch angelaufen kommt, der hat dann ein Problem.
 
Der Fall wird nicht eintreten, soviel ist schon mal sicher, denn jeder bahnfahrende Mitbürger weiß, dass die Bahn ja nicht pünktlich fährt und man eher im Gegenteil immer noch genug Zeit hat, sich in der Stunde Verspätung diverse Brötchen, Kaffee, Zeitschriften etc. zu holen, sich ein Zimmer im Stundenhotel nehmen kann und dann IMMER noch genug Zeit hat, bis der Zug denn fährt.
 
Wenn er fährt.
 
Zumindest bei Zug Nummer Eins der herausgesuchten Zugverbindung hat man also immer Zeit. Danach nicht mehr, denn man bekommt ja die Anschlusszüge nicht mehr. Oder seinen Flieger. Oder sein Date. Oder das Einstellungsgespräch. Oder die Beisetzung der Oma.Whatever.
 
Wenn ich eines gelernt habe, dann dies: wenn es wirklich wichtig ist, also WIRKLICH wichtig, dass man an einem Ort ankommen muss um eine ziemlich festgelegte Uhrzeit, dann nimm niemals die Bahn. Die Bahn kann man nehmen, wenn man abenteuerlich drauf ist und das Risiko liebt. Wenn man im Sommer einen Kühlgenerator dabei hat und im Winter eine Heizdecke. Oder andersrum, das ist genauso gut möglich. Spannung...! Und wenn man generell so Valium-ruhig durchs Leben geht, dass auch Totalausfälle und biestiges Bodenpersonal einen nicht den Glauben an die Menschheit verlieren lassen.
 
Denn eines gibt es immer:
 
TECHNISCHE STÖRUNGEN
 
Gegen die ist man machtlos. Man kann und darf auch nicht meckern, heulen oder fluchen. Sich beschweren und ärgerlich auftreten. Niemals. Denn eine TECHNISCHE STÖRUNG ist naturgegeben nicht zu beeinflussen. Niemand kann etwas tun. Deshalb gibt es auch keine Entschuldigungen bei TECHNISCHEN STÖRUNGEN. Wieso sollte man sich entschuldigen für etwas, an dem man aber SOWAS von unschuldig ist?! Ein neugeborenes Baby, das noch nicht abgenabelt ist, könnte nicht unschuldiger sein als die Bahn an TECHNISCHEN STÖRUNGEN. Also bitte.
 
Die Bahn macht sich also nun Gedanken um Sekunden. Sie können nicht mit Minuten oder Stunden umgehen, aber machen sich Gedanken um Sekunden.
 
Aus gegebenem Anlass mein Aufreger des Tages.

Freitag, 3. Juni 2016

Abschied

Mein Opa ist seit einer Woche im Krankenhaus.

Er ist in seiner Wohnung gefallen und hat zwölf Stunden dort gelegen. Heute kommt er direkt vom Krankenhaus in ein Altersheim ein paar Kilometer von uns, und gestern haben wir dort sein Zimmer wohnlich eingerichtet mit Bildern und seinem Hocker und seinem Teewagen und Deckchen und Lampen.
 
Als wir gestern ohne ihn in seiner Wohnung ein paar Dinge zusammengesucht haben, habe ich in mir drin schon einmal Abschied genommen von all den Möbeln und dem Geruch, der so lange Zeit ein großer Teil meiner Kindheit war.
 
Der Schrank im Schlafzimmer. Früher im Haus meiner Großeltern stand er an einer Schräge, da das Schlafzimmer unter dem Dach war. Hinter dem Schrank war immer noch soviel Platz, dass ein Kind sich dort verstecken konnte oder hinter dran langlaufen. Ich fand das immer aufregend, denn dahinter war es echt dunkel und ich hab es immer wie ein Mutprobe empfunden, in das dunkle Eck zu schlüpfen. IM Schrank lag die Bettwäsche, so fein und ordentlich gebügelt, dass man Kanten drin hatte.
 
Der Toilettentisch. Dort lag immer eine Haarbürste und feine Spitzendeckchen, die von einer Glasplatte vor Staub geschützt wurden. Meine Oma hat sich nach dem Aufstehen immer davor die Haare gebürstet. Und wenn sie grade Diät machte, hat sie sich daneben auf die orange Waage gestellt und das Ergebnis fein säuberlich in ein Heft eingetragen, das auch auf dem Toilettentisch lag. Wieso Omas noch Diäten machen, ist mir ein Rätsel. Ich hoffe, ich hab den ganzen Gewichts-Scheiß hinter mir, wenn ich alt bin und kann einfach ganz in Ruhe fett und runzelig werden.
 
Der Fernsehschrank in der kleinen Stube. Solange ich denken kann, haben wir dort unser Abendessen eingenommen. Währenddessen lief manchmal ein Vorabendprogramm, nix Aufregendes, das gab es damals ja noch gar nicht, einfach irgendwelche unspektakulären Nachrichten. Mein Opa hat neben dem kleinen Esstisch in dem winzigen Raum sein Funkgerät aufgebaut und auf dem Fernsehschrank stand die Kamera, so dass er auch mit Leuten über Funk und mit Bild kommunizieren konnte. Wenn ich Glück hatte, konnte ich mit auf das Bild, und Opa hat stolz erzählt, dass grade seine Enkeltochter zu Besuch ist. Später hat er stolz erzählt, dass seine Enkelin MIT den Urenkeln zu Besuch ist. Oft hat er auch erzählt, was wir tagsüber unternommen hatten und berichtete von Zoobesuchen, vom Schwimmen, vom Campingplatz.
 
An dem kleinen Tisch wurde gegessen, gebastelt, die Babys gewickelt und in einer kleinen Plastikwanne gebadet, alles an diesem Tisch. Eine dicke Schaumstoffschicht unter der Decke schützte ihn vor Kratzern. Alles im Haus meiner Großeltern hielt ewig und lange und sieht heute noch aus wie neu. Es sind heute dieselben Möbel wie schon vor 40 Jahren.
 
Das Sofa. Wie oft haben unsere Kinder auf diesem Sofa geturnt, sich dahinter versteckt, hat mein Opa sein Mittagsschläfchen darauf gehalten, zwischenzeitlich mal mit zugelaufener Katze auf dem Bauch, hat meine Oma ihre Puppenstrümpfe gestrickt, mit geradem Rücken und ernster Miene.
 
In ihrem Wohnwagen auf dem Campingplatz habe ich wohl meine halbe Kindheit verbracht. Ich habe dort im Sommer schwimmen gelernt und wurde dabei von meinem Opa gefilmt, wie ich mit Anlauf auf das Becken zulaufe, abrupt stehenbleibe und wie ein Frosch hineinspringe. Mein Seepferdchen nähte mir meine Oma auf meinen Badeanzug. Mein Opa brachte mir bei, wie man beim Tauchen die Augen  offen hält, und weil meine Oma im Schwimmbad putzte, konnte ich so manches Mal umsonst rein und nach Herzenslust im Wasser toben, während noch kein Schwimmbetrieb war.
 
Auf dem Dachboden über dem Stall des Hauses stand immer mein Puppenhaus. Unsere Kinder haben es jeden Sommer heruntergeholt und im Garten damit gespielt. Jeden Sommer. In einer alten Zinkbadewanne haben wir uns bei Hitze abgekühlt. Heute steht sie bei uns im Garten und ist mit Blumen bepflanzt. Auf dem Hausboden neben der Treppe oben waren sämtliche Klamotten sortiert, die im Sommer oder Winter keinen Platz in den Kleiderschränken hatten. Weil mein Kleidungsstil in meiner Teenie-Zeit etwas schräg war, wurde ich dort oft fündig und schwatzte meiner Oma eine alte Spitzenbluse ab, eine Satin-Schlafanzughose, ein altes Jackett von meinem Opa, oder einen Wollmantel in Übergröße.
 
Ich habe immer in der Besucherritze zwischen meinen Großeltern geschlafen, bis ich Teenie war und dann ein eigenes Zimmer bei Ihnen bekam. Aber so lange habe ich zwischen ihnen geschlafen und morgens mit ihnen Radio gehört, bis sie nach einer ganzen Weile aufstanden und zwei warme Kuhlen zurückließen, um Frühstück zu machen.
 
All das ist nun vorbei. Ein Leben geht einfach so vorbei. Ein Leben, das so voll war mit Ereignissen, mit Kindern, Enkeln und Urenkeln, mit Urlauben und mit Familienfesten, mit Krankheiten und mit Krisen, mit Glück und mit Liebe. Und davon übrig bleibt eine kleine Wohnung, in der es noch riecht wie früher und ein Zimmer im Altersheim, in der ein paar Bilder von guten Zeiten erzählen.
 
Und Erinnerungen. MEINE Erinnerungen an meine Großeltern. An eine Kindheit, die so voll war von guten Tagen, so voll von Sand und Strand und Sonne und Garten und Äpfeln und gebratenem Fisch mit Salzkartoffeln und Nutella-Broten und Gänseblümchenketten, dass ein Buch nicht ausreichen würde.
 
Danke Oma und Opa.