Freitag, 28. Januar 2022

Wie ich dachte, das war´s jetzt

Da dieser Blog auch so was wie mein Tagebuch ist, dachte ich, ich muss vor allem für mich noch mal in Worte fassen, wie das für mich war, als ich dachte, ich muss sterben.

Es gibt Dinge, die möchte man vergessen. Verdrängen. Nicht mehr drüber nachdenken. Und es gibt Dinge, die sollte man für sich noch mal aufarbeiten. Meine Fuck Corona Erkrankung gehört dazu.

Durch einige dumme Situationen in unserer Firma hat sich mein Mann bei einem unserer Mitarbeiter angesteckt und wir beide mussten in Quarantäne. Das war im März 2021. Zuerst war das noch ganz aufregend, denn einfach so frei zu haben, dachte ich, ist auch mal ganz nett. Das hat genau einen Tag angedauert, dann fing ich an, Panik zu schieben. Ich machte mir vor allem Sorgen um meinen Mann. Der hat aber nach ein paar Tagen mit leichtem Fieber und Husten keine großen Beschwerden mehr gehabt und hat dann im Garten rumgemuckelt und dies und das repariert. Ich war immer noch negativ getestet. Hab aber ganz merkwürdige Symptome gehabt, viel Husten vor allem und Schnupfen. Aber jeder Test noch negativ. 

Dann fing es an, so nach 8 Tagen, mir komisch zu gehen. So habe ich mich noch nie gefühlt zuvor, einfach MERKWÜRDIG. Krank, unleidlich, appetitlos. Abends am 10. Tag der Quarantäne war mein Test auch positiv. Ich war eine Mischung aus erleichtert und betroffen. Erleichtert, weil ich dachte, okay, ich habe schon ein paar Tage Symptome, schlimmer wird es wohl jetzt nicht mehr, ich hab das hinter mir. Betroffen, weil ich lange gehofft hatte, ich stecke mich vielleicht echt nicht an. Ich bin jemand, der NIE krank ist. Einmal im Jahr erkältet, ansonsten nie krank. Mein Immunsystem ist super drauf, ich bin sportlich, immer an der frischen Luft, ernähre mich gesund bis zum get no. 

Ich dachte, ich bin unverwundbar.

Ich dachte, wenn das jemand super wegsteckt, dann ich.

Am Morgen des 11. Tages der Quarantäne konnte ich nicht mal mehr meine Spucke schmecken. Keine Zahnpasta schmecken, nichts mehr riechen. Totalverlust von Geschmack und Geruch. Etwas unheimlicheres hatte ich noch nie erlebt. Man konnte sich sonst wie bemühen, der Sinn war totgelegt.

Am Nachmittag musste ich zum Drive-in-Test fahren, meinen PCR Test machen lassen. Mir war eh klar, war dabei rauskommt. Um 16 Uhr sollte ich los fahren, das erste Mal wieder im Auto, nach 11 Tagen! Ein paar Stunden vorher wurde mir auf einmal speiübel. Überfallmäßig übel. Ich habe einen Eimer mitgenommen im Auto, für den Fall der Fälle, aber war zum Glück nicht nötig. Test gemacht, nach Hause, sofort ins Bett. Mir war SO übel wie noch nie in meinem Leben. Ich fühlte mich schlagartig so sterbenskrank, das Gefühl hatte ich noch nie zuvor. Die nächsten Tage vergingen alle auf die gleiche Weise. 

Ich kam nicht mehr aus dem Bett. Ich konnte nichts mehr essen und kaum etwas trinken. Ich konnte nicht schlafen und nicht lesen, nichts gucken, keinen Film, keine Serie, nichts. Ich konnte nichts mehr. Und damit meine ich: nichts.

Ich lag da nur.

Ich habe draußen die Enkelkinder spielen gesehen und gehört. Die Sonne kam ab und zu mal raus. Die Vögel zwitscherten sich einen ab. Es wurde morgens hell und abends dunkel. Ich machte kein Auge zu. Ich schlief drei Tage und Nächte nicht und konnte nichts essen und trinken. Ich bat meinen Mann um alles mögliche, Saft, Möhrensalat, Brot...Nichts davon bekam ich runter. Er saß an meinem Bett und sah besorgt aus. 

Es war nicht so wie bei einem Magen-Darm-Virus. Den saß ich bisher auf einer Backe ab, wenn ich ihn mal bekam. Es war ANDERS. Ich lag und dachte, so muss sich sterben anfühlen. Man wird einfach immer schwächer und eines Tages schläft man einfach ein. Der Notarzt kam und gab mir ein Mittel gegen Übelkeit. Es half nichts. Ich bekam Fieber, das nicht mehr runterging, nicht mit Medikamenten, mit nix. Ich schaffte gerade so den Gang auf die Toilette, sonst nichts. Ich musste aber kaum, denn ich trank ja fast nichts. 

Am vierten Tag in der Nacht wurde ich mit dem Notarztwagen ins Krankenhaus gebracht. 

Meine Sauerstoffsättigung war nicht berühmt, ich hatte auch Husten und konnte auf dem Rücken nicht gut atmen, aber das war nicht das Problem. Ich war dehydriert und brauchte einige Liter Flüssigkeit als Infusion.


Ich war eine Woche im Krankenhaus auf der Isolierstation. Dreimal am Tag wurden meine Vitalwerte genommen, meine Sauerstoffsättigung, mein Fieber gemessen. Keiner redete viel mit einem, die Pfleger und Schwestern waren auf der Station komplett unterbesetzt, wie überall. Jeder, der reinkam, war vermummt bis zum letzten. Mein Zimmer hatte eine kaputte Heizung, keine Vorhänge und das älteste Badezimmer in der Geschichte von Badezimmern. Das war mir alles egal. Ich war eh nur im Bett und fing an, Podcasts zu hören. Lesen und etwas schauen war noch immer zu anstrengend. 

Ich fing an, winzige Portionen zu essen. Am Ostersonntag gab es ein Ei, das habe ich gegessen. 


Mein Mann holte mich nach der Woche ab, ich schaffte es gerade so ins Auto. Zu Hause gleich wieder ins Bett. Die folgenden Tage gewöhnte ich mich langsam wieder ans Essen. Ich duschte zum ersten Mal wieder, mit einem Hocker in der Dusche, stehen ging noch nicht. Nach dem Duschen musste ich mich wieder hinlegen. Nach fünf Tagen kochte mein Mann unter meiner Anleitung Kartoffeln, Rosenkohl und Lachs. Das war das erste Essen, das ich mit Hunger essen konnte und richtig genießen konnte. Geschmack und Geruch waren zu dem Zeitpunkt schon wieder recht konstant da. Morgens immer noch nicht, aber immer am Vormittag kehrten die Sinne recht zuverlässig zurück.

Nach diesem köstlichen Mahl ging ich das erste Mal auch wieder an die frische Luft. Bei meinem Mann eingehakt gingen wir um den Block. Das sind vielleicht 400 Meter. Ich schlich so dahin und fand alles großartig. Autos, Baustelle, alles. Ich war der glücklichste Mensch auf der Welt. 

Ich war wieder unter den Lebenden angekommen.

Ich schreibe dies auch für all die, die denken, sie sind unverwundbar, so wie ich dachte. Die denken, das packen sie schon, es wird sicherlich nicht schlimm werden, sie sind gesund und fit. 

Ich WAR gesund und fit. 

Ich konnte mich immer, wenn ich mal was hatte, an meinen Haaren selbst wieder rausziehen. Zusammenreißen, wieder gesund werden, Zähne zusammen beißen, das kann ich wirklich gut. 

Aber Corona - das war eine andere Nummer. Das hat bei mir den Stecker so radikal gezogen, ich war so machtlos, so hilflos. All meine Strategien von vorher halfen da nicht. Ich dachte wirklich, ich werde sterben. Ich lag im Bett, unfähig zu schlafen, unfähig zu lesen, unfähig zu essen und zu trinken, unfähig, mich zu waschen, unfähig mich zu bewegen und das Glas zu greifen. Und im Radio unten im Wohnzimmer spielte ein Song mit dem Text "Goodbye Michelle, it´s hard to die...when all the birds are singing in the sky...."

Und ich dachte: ja. 

Dann sterbe ich wohl. So muss es sich jedenfalls anfühlen. Ist nicht schlimm. Dann ist wenigstens demnächst Ruhe und ich kann endlich schlafen. Und mir ist nicht mehr übel. Die Aussicht darauf war nicht die schlechteste in den Tagen. Die Lebenskraft floss einfach raus aus mir, aus den Fingern, aus meinen Beinen, aus meinem Gehirn. So etwas habe ich noch nie vorher erlebt und will es auch erst wieder erleben, wenn es soweit ist. 

Im März 2021 habe ich gedacht, es ist soweit.

Heute geht´s mir wieder gut. Wie das kam, erzähle ich das nächste Mal. Vielleicht hilft es jemandem.


Mittwoch, 16. Dezember 2020

Jammern verboten

Ich hab lange nichts mehr geschrieben. Dabei hab ich so viele Wörter und Sätze im Kopf, aber immer wieder habe ich verworfen, etwas zu schreiben, weil dieses Jahr alles so unglaublich kompliziert ist.

Nun aber. 

Ich habe in diesem Jahr extrem das Gefühl, dass man nicht mehr jammern darf. Nicht mehr klagen. Nicht mehr traurig sein. Sich niemals beschweren.

Denn dieses Jahr ist das Jahr der Helden. Der Corona Helden. Das Jahr, in dem es mindestens 500.00 Existenzen gibt, denen es auf jeden Fall schlechter geht als dir, du Jammerlappen. Und wenn dir nicht 24/7 die Sonne aus dem Arsch scheint, du undankbares Stück, dann geh mir und dem Rest der Welt wenigstens aus den Augen und jammer woanders weiter. 

Man darf sich nicht mehr beschweren, dass man nicht in den Urlaub fliegen/fahren konnte. Sobald man das tut, kommt die Moralkeule irgendeines Gutmenschen in der Nähe oder aus dem guten alten Social Media und erklärt dir lang und breit, wie undankbar du bist. Auf welch hohem Niveau du klagst und dass es vielen schlechter geht als dir.

Wisst ihr was. Das ist ja mal immer so. Wenn ich zwei Beine beim Unfall verliere, dann gibt es sicher einen, der noch einen Arm dazu verloren hat. Also Fresse halten und lächeln. Dieses Prinzip "Es gibt Menschen, denen geht es schlechter", ist glaube ich jedem klar. Und in einem normalen Denken wird das auch immer wieder Platz haben und man besinnt sich auf das, was man hat und ist dankbar für die kleinen Dinge, die das Leben einem doch so bietet. 

In diesem Jahr ist aber dieses Denken zum neuen Motto erkoren worden und macht dabei jede Traurigkeit, die auftaucht, sofort zunichte. Man DARF nicht mehr traurig sein. Oder verzweifelt. Und das bereitet mir persönlich gerade momentan echte Probleme.

Vor acht Wochen ist mein Vater gestorben. Das ganze Jahr vorher war in dieser Hinsicht extrem beschissen. Langer Leidensweg, Sorgen ohne Ende, keine Nacht ohne Aufwachen und an ihn denken, kein Tag ohne neue Hiobsbotschaften, keine Unbeschwertheit. Alles im Arsch. Ich habe es trotzdem irgendwie hinbekommen zu arbeiten, Leistung zu erbringen, nett zu allen Kunden zu sein. Essen auszurichten, Besuch zu empfangen, Gemüse zu pflanzen, Sport zu treiben. Ich finde, ich hab es ganz okay hinbekommen, zu funktionieren und alle Erwartungen an mich zu erfüllen.  Meinen Part zu leisten in diesem Gefüge aus Familie, Firma und Freunden. Und mich nicht ganz zu verlieren.

Dann starb er also. Nachdem ich tagelang immer wieder gebetet habe, ihn bitte zu erlösen. Jedes Mal, wenn ich mit dem Hund gegangen bin und in die Richtung blicken konnte, wo er wohnte, habe ich versucht, so viele gute Gedanken durch die Luft zu senden, wie ich konnte. Er starb also und es war vorbei. Dachten alle.

Jemand aus meiner Familie fragte mich zweimal nur ein paar Tage nach der Beisetzung, wie es mir ginge und ob ich jetzt nicht sehr erleichtert wäre. Ich dachte mir nur: Kann ich zuerst einfach mal traurig sein? Ist es möglich zu trauern? Es war kein Platz dafür da. Denn das macht man heutzutage nicht mehr. Man kneift gefälligst die verdammten Arschbacken zusammen und besinnt sich auf das, was einem noch geblieben ist. 24/7.

24/7.

Wenn ich erzählte, dass ich traurig bin, hörte ich "Sei froh, dass du ihn hattest. Sei dankbar, dass du ihn beim Sterben begleiten konntest. Sei dankbar, dass er im Kreise der Familie sterben konnte. Sei froh, dass du einen Vater hattest. Sei froh, dass er 73 Jahre alt geworden ist. Sei froh, dass er nun erlöst ist. Sei dankbar, dass er nicht mehr länger leiden musste."

Ich komme nun vor lauter Dankbarkeit nicht mehr in den Schlaf. (Sarkasmus aus)

Ich hätte mir gewünscht, dass jemand einfach sagt "Ist kacke. Es ist einfach kacke, wenn jemand stirbt, den man geliebt hat. Ich kann dich verstehen. Ich fühle mit dir. Es tut mir von Herzen leid." Und dann PUNKT. Und nicht. "AAAAAABER es ist ja besser so. Aber es war ja abzusehen. Aber sei froh, dass....." 

Das Ergebnis dieses neuen Denkens, dieser neuen Art, Sorgen zu begegnen oder Traurigkeit oder Unmut, ist nicht cool. Es führt dazu, dass man sich wie ein Vollversager vorkommt, wenn man diese Gefühle nicht in den Griff bekommt. Andere schaffen das auch, wieso du nicht? Andere jammern auch nicht, wieso du? Andere sind darüber hinweg, wieso schaffst du das nicht? Andere haben es schwerer, wieso jammerst du? Nimm dir ein Beispiel an anderen. Sei wie andere.

Ich glaube aber auch, dass andere auch leiden. Oder gerne mal jammern würden. Oder heulen. Aber sie machen es nicht. Weil man das nicht macht. Nicht in diesem Jahr. 

Ich weiß aber, dass das zumindest für mich nicht gut funktioniert. Meine Wunden, alle Wunden aus diesem Jahr, müssen von innen nach außen heilen. Ich kann nicht ständig neue Pflaster drauf kleben und hoffen, ich muss sie vorerst nicht abziehen. Ich kann auch nicht ständig drauf schauen, wie andere sich Pflaster drauf kleben oder sogar gar keine mehr brauchen.  

Ich bin immer noch unsagbar traurig. Jeden Tag. Nicht jede Minute. Aber jeden Tag. Wenn ich abends mit Balu unterwegs bin, sitze ich immer noch zehn Minuten im Auto, im Dunkeln, und heule. Fast jeden Abend. Niemand sieht mich dabei, niemand versucht, mich zu trösten, oder mir zu sagen "wein doch nicht. Ist doch alles gut." Es ist nicht alles gut. Es wird wieder gut werden, das weiß ich. Aber jetzt gerade ist es das eben nicht. 

Ich würde mir wünschen, dass wir das wieder äußern dürften. Dass es uns nicht gut geht. Gerade jetzt nicht gut geht. Dass sich Traurigkeit und Dankbarkeit nicht ausschließen. Dass man beides zur selben Zeit fühlen kann. Dass wir ehrlich zueinander sind. Dass es nicht verwerflich ist, eigenen Kummer zu haben, obwohl die ganze Welt Kummer hat. Dass Herzen Zeit brauchen, um zu heilen. Dass Dinge Spuren hinterlassen. 

Dass wir nicht alleine sind. 

Denn es gab Tage in letzter Zeit, da habe ich mich so alleine gefühlt wie noch nie in meinem Leben. Dabei habe ich eine großartige Familie und gute Freunde. Aber es gab niemanden mehr, dem ich noch sagen konnte, dass es mir nicht gut geht. Denn das Thema war einfach rum. Acht Wochen später sollte man langsam damit durch sein. Und alle hatten außerdem auch andere Sorgen. Oder Freuden. Und man will einfach nicht da rein grätschen. Also sitzt man im Auto und macht das mit sich selbst ab. 

Das kann man machen. Aber ich weiß nicht, ob uns das alle gemeinsam nach vorne bringt in der heutigen Zeit. 

Daher war ich heute mal so mutig und habe geschrieben. Mal schauen, was das macht.:)))


Montag, 8. April 2019

einfach nur so

Ich mache mir immer ´n meeeega Kopp, was das Thema eines neuen Posts sein soll, und meistens schreib ich dann gar nicht, weil mir nämlich zur Zeit TAUSEND Dinge durch den Kopf gehen, die ich nicht ordnen kann. 

Aber grad denke ich mir: egal. Ich schreib einfach drauf los. Dieser Blog war immer wie mein Tagebuch, und ich lese echt gerne mal rückwärts, was so los war in den letzten Jahren. Meine Posts wurden jedoch immer seltener, weil mein Anspruch immer höher wurde. Weil ich unbedingt wollte, dass ein Post auch einen Nutzen hat. Weil so viele Blogger, denen ich folge, in jedem Post ein bestimmtes Thema verfolgen, nützliche Dinge verlinken und so weiter. 

Aber ich eben nich. Ich mach einfach mal drauf los. Was mir so durch den Kopf geht.

Letztes Jahr um diese Zeit haben wir Richtfest gefeiert. Wir haben uns soooo sehr nach der Fertigstellung unseres Hauses gesehnt! Wir haben den Sommer durch gearbeitet und bei der größten Hitze menschengroße Fliesen in den zweiten Stock unseres Hauses geschleppt und unser Bad verfliest. Wir hatten so was noch nie gemacht und nach dem Studium von zahlreichen Youtube Videos entschieden: machen wir so! Hat geklappt! Guckst du hier:



ES WAR HART. Der Schweiß ist in Strömen gelaufen, die Hände wurden immer rauer, aber wir wurden extrem fit in dem Sommer. Wir haben regelmäßig die Eisvorräte unseres REWE Marktes aufgekauft und fast fünfmal am Tag Eis gegessen. Wir haben einen "Streich-Sonntag" gemacht und fast die ganze Familie hat geholfen, das Haus innen zu streichen. Die Musik tönte durch den Neubau, es gab Eis und Alster, und später haben wir alle zusammen im Schatten unserer Weide gegrillt und gechillt und waren stolz auf uns. 

In diesem Jahr ist innen drin fast alles fertig. 


Nun geht es draußen los, und unser Terassenkonzept steht schon. Ich freue mich auf den Sommer und auf Eis und auf Sonne auf der Haut und auf Grillabende und auf alles, was mit draußen zu tun hat!

Und sonst so?

Irgendwie fühl ich mich momentan wie in so einem Zwischenleben. Das mag dem Umstand geschuldet sein, dass ich wohl nun doch in die Wechseljahre komme. Blödes Thema, irgendwie auch peinlich, aber eigentlich: NÖ!

Ist halt nun mal so. Wir werden alle älter. Zum Glück. Ist mir nur noch nie so klar und bewusst gewesen wie in diesem Jahr. Und es mag Frauen geben, die wie NIX durch diese Wechselphase gehen und ohne irgendwelche Symptome sind, aber das ist dann einfach mal Glück. Ich denke nicht, dass es an der Einstellung oder der Lebensweise liegt, denn ich keine a) niemanden, der gesünder lebt als ich und b) habe ich ein wirklich gutes Verhältnis zu meinem Körper und hege und pflege und mag ihn.

Und trotzdem.

Stelle ich fest, dass ich empfindlich geworden bin. Gegenüber ALLEM. Mich bringt ein Bild oder ein Zitat oder ein Lied aus dem NIX zum heulen. Ich habe ganz grandiose Tage, voller Energie und guter Laune und meeeeega Stimmung. Und am nächsten Tag ist eigentlich nix anders, aber doch alles. Ich kann morgens nicht aufstehen, weil ich zutiefst deprimiert bin, ich liege wie ein Zombie im Bett und KANN nicht aufstehen. Kann auch nicht mit Kollege Schnürschuh Gassi gehen. Dann geht mein Mann die Morgenrunde und ich dafür die Abendrunde. Die gefällt mir momentan einfach besser. Es ist noch hell draußen und ich genieße den Wald so sehr, die Abendsonne, die Ruhe, das Runterkommen.

Ja, solche Tage gibt es eben auch.

Das Älterwerden hat aber auch Vorteile. Ich kenne mich so gut wie noch nie. Ich kenne meinen Körper so gut wie noch nie. Die meiste Zeit bin ich fit wie noch nie und habe keine großen Zipperlein.

Ich mag meine Freundschaften und schätze die Menschen, bei denen ich einfach so sein kann wie ich bin. Die mich mögen für das, was ich bin, und nicht für das, was ich mache. Das hat einen unschätzbaren Wert für mich bekommen, mich nicht verstellen zu müssen.

Je älter ich werde, desto weniger Zeit will ich nämlich vergeuden mit Menschen, die mir ein schlechtes Gefühl geben. Und je älter ich werde, desto schneller erkenne ich diese Menschen. Und die kann ich getrost absägen. Menschen, die andere schlecht machen, um sich selber besser zu fühlen, Menschen, die sich ständig über andere erheben, Menschen, die hinter dem Rücken einer Person schlimme Dinge über sie sagen... diese Menschen haben keinen Platz mehr in meinem Leben.

DAS ist ein Vorteil vom Älterwerden! Kein Schein mehr. Nur Sein!

Diese "Wechselphase" , auch gerne Midlife Crisis genannt, fange ich deshalb an zu schätzen. Vor zwanzig Jahren noch hatte ich das Gefühl, unsterblich zu sein und noch ewig Zeit zu haben. Jetzt weiß ich definitiv, das ist nicht so. Umso mehr will ich einfach viel mehr Dinge machen, die mir Spaß machen! Letzte Woche waren wir abends Trampolin springen! Mann, was das geil!


Es gab auch so ein Trapez, an dem man schwingen kann, und dann lässt man los und fällt in ein Becken voller Schaumstoffwürfel. Ich hab etwas länger gebraucht für den nötigen Mut, es dann aber doch gemacht, weil ich weiß, ich hätte es bereut, wenn ich weg gefahren wäre und den Sprung nicht gemacht hätte. Mann, was das toll! Ich hab es gleich ein zweites Mal gemacht!!

Und genauso will ich zukünftig meine Zeit verbringen. Jedenfalls immer mal wieder. Es gibt noch so viel zu sehen, so viel zu entdecken! Und so wenig wie möglich will ich davon auf "später" verschieben.

In drei Tagen zum Beispiel habe ich einen Friseurtermin und bekomme LOCKEN!! Ich freu mich krass drauf! Wie anders ich dann wohl aussehe...

Hört sich alles irgendwie nach einer typischen Torschlusspanik an und dem Drang, bloß nix zu verpassen. Und dann auch noch ´n neuer Look.. Oh Mann...

Ja, ist vielleicht so. Und ist auch gut so. Ganz ehrlich: ich war mit 19 Mutter und hab seitdem nicht viel anderes gemacht als Kinder großziehen und gleich im Anschluss mit meinem Mann eine Firma übernehmen, was bedeutete: viel Arbeit und noch mehr Stress. Ich habe dieses Leben fast jeden Tag genossen und es geliebt. Manche Tage nicht, aber das geht ja jedem so. Ich wollte es genauso und bereue nichts. Aber nun... nun ist es Zeit, nochmal drüber nachzudenken, wie es weiter geht. Genauso? Oder doch nicht?

Geht es jemandem von euch auch so? Und was habt ihr damit gemacht? Oder was wollt ihr damit machen? Würde mich echt mal interessieren.

So, und nun gibt´s n Kaffee an den Schreibtisch und dann geht´s weiter!

Habt eine gute Zeit!!




Donnerstag, 20. Dezember 2018

Runterkommen

Nun dauert es nicht mehr lange, und der Tag der Tage ist da....

WEIHNACHTEN!

Passend dazu habe ich mir spontan ein Buch bestellt von einem Amazon Gutschein, den ich geschenkt bekommen habe, und das ist ja soooo schön! Es heißt "Hygge", vom Glücksforscher Meik Viking. Er hat den geilsten Job der Welt, denn er forscht darüber, was Menschen glücklich macht.

Er ist Däne, und die Dänen sind eines der glücklichsten Völker der Welt. Sie haben einen hohen Steuersatz und es regnet fast die Hälfte des Jahres dort. Sie haben keine wirkliche Autoindustrie oder Rohstoffe, sie haben keine Berge zum Skifahren, und die Sommer sind auch nicht immer sonnig und strahlend. Der Autor schreibt "Ich liebe den Sommer in Dänemark! Es ist der schönste Tag im Jahr!"

Aber die Dänen haben HYGGE.

Hygge ist mehr als ein Begriff, es ist eine Lebenseinstellung. Es bedeutet Gemeinsamkeit, Frieden, gutes Essen, warmes Licht, Kerzen, Zuhören, Einfachheit, Natürlichkeit.

Die Dänen erklären jemanden, der am Wochenende arbeitet, zum Beispiel für verrückt. Gearbeitet wird in der Woche bis halb fünf, und dann ist wie bei Fred Feuerstein jeder schneller weg als man YAPADAPADUH sagen kann. Denn dann ist Familienzeit. Die Kinder werden abgeholt, es wird gemeinsam gekocht, gespielt, gegessen, zu Bett gebracht. Man trifft sich mit Freunden, man sitzt zusammen, und wer reden möchte, der darf reden, und man hört einander zu, und wer schweigen will, darf schweigen, und das ist auch in Ordnung.

Dänen haben den höchsten Pro-Kopf-Kerzenverbrauch der Welt. Danach kommen die Österreicher. Die Dänen haben die tollsten Lampen entworfen, und die gemütlichsten Möbel. Die haben´s einfach drauf, es sich schön zu machen. Ein Haus ohne Kerzen und viele kleine Lichtquellen ist dort unvorstellbar. Ein offenes Feuer, ein süßer Kuchen dazu - und Hygge ist perfekt!

Das ist voll mein Ding. Das Buch ist extrem süß und sympatisch geschrieben und ich gucke mir gerne ein paar Dinge davon ab, die mir noch fehlen für meinen Hygge-Faktor.

Vieles setze ich eh schon um, und unser Haus ist extrem hyggelig.

Aber wir sind halt auch Vollzeit arbeitend und selbstständig, und gerade in der Vorweihnachtszeit fällt uns auf, dass alle am Rad drehen. Wir möchten gerne auch so langsam runterkommen, hier unter uns verbleibenden Kollegen mal quatschen, auch mal was ins nächste Jahr schieben, was nicht mehr eilig ist.... aber das scheint dieses Jahr allen sehr schwer zu fallen.

Klar, die Weihnachtszeit ist nicht für alle besinnlich. Krankenschwestern müssen auch in dieser Zeit immer noch Hintern abwischen, alle im Einzelhandel müssen bis 10 Uhr abends arbeiten, der Müll muss abtransportiert werden und so weiter. Aber könnten nicht alle, die die Möglichkeit haben, allen anderen, die nicht die Möglichkeit haben, die Möglichkeit geben, einen Gang runterzuschalten?

Ziemlich viel "Möglichkeit". Aber is ja so. Das Leben ist voll davon. Es ist mir in der Tat möglich, an der Supermarktkasse entspannt zu bleiben, ein nettes Lächeln zu schenken, der Kassiererin einen schönen Tag zu wünschen und zu vermitteln: alles gut. Ich hab Zeit.

Es ist mir auch möglich, Dinge, die nicht lebenswichtig sind, aufzuschieben. Wenn ich jemand anderem damit Stress weg nehme, dann sollte ich das tun. Ich habe in der Tat gerade nicht so viel Verständnis für Kunden, die seit Wochen ein Geräusch am Auto haben, jetzt damit ankommen, sofort noch heute oder morgen (gefühlt ZWEI Tage vor Heiligabend!) einen Termin brauchen, es soll SOFORT jemand nach dem Geräusch gucken, das sie schon seit Wochen hören, und dann abziehen, noch unfreundliche Worte murmelnd, weil wir keinen Termin mehr frei haben.

Das tut nicht not. Nirgends auf der Welt tut so was not.

Heiligabend geöffnete Geschäfte? Tut für mich nicht not. Die armen Leute!!! Wann kommen die denn mal in Weihnachtsstimmung?? Ich unterstütze das nicht, ich kaufe NO WAY am Montag noch was ein. Was ich bis dahin nicht im Haus habe: Pech. Solange Nudeln, Mehl, Eier und irgendwas tomatiges vor Ort ist, werden wir nicht verhungern. Und das wird heute eingekauft. Und dann is Schicht im Schacht.

Dann wird sich zurückgezogen, und dann werden Kerzen angezündet, und dann kann man lesen, Weihnachtsfilme gucken, Popcorn essen, den ganzen Tag im Schlafanzug rum laufen und nicht ans Handy gehen.

Und dann kann man sich um die kümmern, die man gern hat. Und um sich selbst.

Macht´s euch hyggelig! Schaut, wo ihr Tempo rausnehmen könnt. Und macht euch die wunderschönsten Weihnachten!



Das war extrem hyggelig! Mit dem kleinen Levi und der ganzen Familie einen Tannenbaum aussuchen! Wenn mir die Füße nicht dabei eingefroren wären, hätte ich das noch Stunden machen können....


Und dazu ne Tasse heiße Schokolade. Perfektes Hygge.






Montag, 6. August 2018

Viel passiert...

.... und nix geschrieben, ein halbes Jahr lang..... ist das zu fassen!

Wir haben in diesem halben Jahr ein Haus gebaut und ein weiteres Enkelkind bekommen. Vom Haus gibt es demnächst ein großes Update, denn in ca. vier Wochen werden wir schon drin wohnen. Wirklich wirklich gibt es eine große Haustour, versprochen!

Unser zweites Enkelkind heißt LOLA und ist wunderschön! Sie ist jetzt ca. 6 Wochen alt und wird sicher mal ein Model. Oder die Welt retten. Oder sowas in der Art, denn sie ist ganz wunderbar und hübsch und einzigartig.

Levi ist jetzt großer Bruder und wird sicher mal Comedian. Er ist immer im Partymodus, immer gut drauf, immer ein Sonnenschein (manchmal auch ein Teufelchen), aber er hat so eine besondere Ausstrahlung, dass man immer lachen muss, wenn man ihn sieht. Ich lieb ihn so furchtbar dolle und könnte ihn immer nur knuddeln, wenn er da ist!


Unser Hausbau hat uns nach dem heftigen Jahr 2017 noch einmal auf eine ganz neue Achterbahnfahrt der Gefühle gesetzt. Man sagt ja, dass es drei Scheidungsgründe gibt, also drei wichtige Gründe, warum Paare sich trennen. Das sind Kinder (Check!), zusammen arbeiten (Check!) und ein Hausbau (CHECK!). Wir sind auch noch dazu selbstständig (CHECK CHECK CHECK).

Wir haben SO viel gestritten in diesem Jahr. Ich bin ja eine ganz normale Frau und kann daher im  Handumdrehen aus NICHTS einen Salat, einen Hut oder eine Szene machen. Mein Mann als ganz normaler Mann ist imstande, diese Szene durch sein Verhalten so aufzuschaukeln, dass danach alles gefühlt im Arsch ist. Trotzdem habe ich das Gefühl, dass uns nichts mehr auseinanderbringen oder schocken kann, wenn wir das hier überstanden haben. Es ging bei unserem Hausbau nämlich so ziemlich alles schief. Es verging phasenweise KEIN TAG, an dem nicht eine Hiobsbotschaft kam.

Ich bin in manchen Nächten aufgewacht, dann fiel mir etwas ein, woran ich nicht gedacht habe, oder etwas, worüber ich mir Sorgen machte und ich wälzte mich rum und ich konnte partout nicht darüber einschlafen, und dann stand ich auf, setzte mich in unsere Küche und weinte erstmal eine Stunde lang. Ich weiß, dass ich manchmal sehr sehr anstrengend bin für meinen Mann. Ich bin so super emotional in manchen Dingen und konnte in diesem letzten Jahr einfach so losheulen aber auch einfach so wieder gut drauf sein und mich an Kleinigkeiten freuen. Über eine schöne Wandfarbe, über eine Treppe, über einen fertigen Zaun, über eine gute Idee, über eine gute Umsetzung.

Ich denke oft, dass manche in den Sack gehauen hätten. Ich bin deswegen sehr stolz auf uns, dass wir diesen Prozess durchgemacht haben und nicht aufgegeben haben. Dass wir immer weniger lange brauchen, um uns wieder zu vertragen und uns den wichtigen Dingen zu widmen. Wir haben sehr viel gelernt in diesem Jahr. Über uns, über unsere Beziehung. Das Leben ist eben nicht INSTAGRAMMABLE. Es ist dreckig und laut und manchmal ungerecht und manchmal unfair und dämlich und falsch. Aber es ist auch zum Totlachen, rührend, echt, innig, bunt und voll.



Das Foto hat unsere Schwiegertochter, die eine ganz großartige Paarfotografin ist, gemacht, kurz vor unserer Silberhochzeit im Mai. 25 Jahre sind wir nun verheiratet und lernen immer noch aneinander. Vielleicht haben es manche Paare leichter, vielleicht sind manche Paare vernünftiger, bessere Menschen und verständnisvoller als wir sind. Wir sind aber nun mal so und nicht anders.

So ist unser Leben nun mal, und wir sind dafür großartig darin geworden, Herausforderungen zu meistern. Was für andere eine Riesensache wäre, entlockt uns nur ein müdes Lächeln. Wir sind Meister geworden im "okay, das ist schief gegangen, was ist die Alternative?" Und dann: "okay, machen wir so. Geht auch."

Wir sind gut im Entschuldigen geworden. Im "ich wollte nicht so schlimme Sachen sagen." Und dann: "ich auch nicht. Das war kacke." Und wir wissen, dass wir nicht mehr sagen müssen:"wir streiten uns nie wieder." Weil das nicht geht. Wir werden uns wieder streiten, so wie wir das immer getan haben. Und uns wieder vertragen, wie wir das immer getan haben.

SEEEEHR viel Herzbewegung hat mir übrigens auch eine Serie verpasst, die ich so inhaliert habe wie zuletzt The Walking Dead:

Guckt unbedingt "This is us"!!!!! Ich mein das ernst, ihr MÜSST es gucken!! Die erste Staffel gibt es umsonst auf Amazon Prime, die zweite ist mit Untertiteln zu kaufen. Ich habe sie beide gesehen, und muss sagen, dass es eine der ehrlichsten, zu Herzen gehendsten, rührendsten, schönsten Serien ist, die ich je gesehen habe. Ich hab so oft geweint und gelacht zugleich, aber mehr geweint. Ich war verliebt in jeden Charakter und sehne mich nach der dritten Staffel. Es ist so viel Wahres und Gutes, was ich daraus gezogen habe, einfach nur WUNDERSCHÖN. Auch darin geht es darum, aneinander zu lernen, es geht um Toleranz, um Liebe, um Kinder, um Familie und um das, was wirklich zählt.

Tja. Das reicht erstmal für heute! Bald gibts mehr und vor allem Bilder vom Haus und allem innendrin!!



















Montag, 12. Februar 2018

Ich bin raus

Ich bin raus. Gestern Abend habe ich mich aus meinem Instagram Account verabschiedet. Und ich habe die App und auch die von Facebook von meinen Geräten entfernt. Ich bin raus.

Und dabei war ich voll drin. Ich habe mir Follower gekauft. Es gibt Apps oder Programme, mit denen das geht. Ich bekam in kürzester Zeit mehr und mehr Follower und der erste Griff morgens war der zum Handy. Ich hatte über Nacht wieder 10 mehr!!! Halleluja! Ich kannte keinen verdammten von diesen Leuten. Nie gesehen. Als ich den ersten Blow-Job live auf Instagram sah, von einem meiner gottverdammten Follower, die ich alle nicht kannte, schwante mir zum ersten Mal, dass da was nicht gut sein kann....

Ich fotografierte mein Essen, BEVOR ich es aß. Ich fotografierte mich nach dem Sport. Beim Sport. Beim Spaziergang mit Balu fotografierte ich meinen Hund. Und den Sonnenaufgang. Und den Sonnenuntergang. Meine braunen Beine am Swimmingpool im Urlaub. Meinen Cocktail. Unseren Weihnachtsbaum. Mein Outfit.

Und WHO THE FUCK CARES?

Nobody. Jeder macht den gleichen Scheiss und ist davon überzeugt, oder im frühen Stadium des Postens HOFFNUNGSVOLL, dass es die Welt da draußen interessiert. Dass es eure falschen Freunde da draußen interessiert. Die euch "Süße" nennen, obwohl sie noch nie im Leben mit euch einen gottverdammten Kaffee getrunken haben. Die euch Herzen senden, obwohl sie auf der Straße an euch vorbei laufen würden. Weil ihr euch nicht erkennen würdet. Denn ihr kennt euch nicht. Ihr kennt nur euer Abbild, das ihr der Welt da draußen sendet, eure Arrangements aus Müslischalen, Kaffeetassen und Blumen, wofür ihr auf den Stuhl steigen musstet, um das abzulichten. Müslis und Outfits. Müslis und Outfits. Bis man ganz crunchy wird im Kopf.

Und ich war dabei. Aber sowas von. Müslis und Outfits. Und immer den Blick auf die Likes. Mag das jemand? Und wie viele? Und warum nicht? Was stimmt an meinem Outfit nicht? Oder am Sonnenaufgang? Was poste ich als nächstes? Was bringt mir likes. Und was möchte ich der Welt da draußen vermitteln?

Der Vergleich ist der Anfang vom Unglücklichsein. Hat mal ein kluger Mensch gesagt. Beim Vergleich mit anderen können wir nur verlieren. Wir werden immer abkacken. Andere Leben sind vielleicht nicht aufregender oder stylischer oder romantischer. Es wird nur gekonnter erzählt, dass es so ist. Aber das wahre Leben findet bei euch statt. Es krabbelt vor euren Füßen, es wartet im Garten, es sitzt auf eurem Fahrrad, es liegt in eurem Bett.

Ich liiiieeebe schöne Bilder. Ästhetische Kompositionen. Tolle Farben. Insofern hat mich Instagram schnell angefixt. Und lange hing ich an dieser Nadel.

Aber es sind nur Bilder.

Ist das die Art, wie wir uns begegnen wollen? Ist das die Art, wie uns Menschen sehen sollen? Macht das die Welt auch nur einen winzigen Deut besser?

Den vorletzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich auf unserem Luke Mockridge Abend erhalten. In der Pause. Ich bin sitzen geblieben und mein Mann holte uns ein Getränk. Ich schaute mich um und sah nichts außer bloggende und postende junge Menschen. Mädels und Jungs. Hashtag Luke Mockridge. Hashtag geiler Abend. Selfies. Keiner redete mit dem anderen. Oder nur um zu sagen, mach mal n Foto. Und da dachte ich mir so: das ist traurig. Das muss aufhören. Auch für mich.

Den letzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich gestern abend erhalten, als ich eine Instagram Story erstellt habe, bei der es darum ging, dass man dann wieder jemanden benennt und der jemanden benennt und so weiter. Einer Person war das zu doof, und ich bin ihr dankbar dafür. Denn den Schubs brauchte ich noch, um mir klar zu werden, wie traurig das ganze ist. Und wie verlogen. Und wie ich an der Nadel des Gefallens hing. Und dass ich mir die jetzt ziehen muss.

Ich will nicht danach bemessen werden, wie viele mögen, was ich tue. Ich bin eigentlich ein Mensch, dem es herzlich egal ist, was andere von mir denken. Eigentlich. Und trotzdem habe ich mit gemacht. Dabei will ich nur mein Leben leben. Ohne daran zu denken, ob das Essen ein Foto wert ist. Oder jemand anderem ein Like.

Bewertet zu werden ist etwas, das uns direkt vergleichbar macht. Und Vergleiche sind der Anfang vom Unglücklichsein. Jemand, der mehr Follower hat, ist mehr wert. Für die Industrie. Für welchen Zweig auch immer, er ist mehr wert. Wie lange der Sprung noch dauert, bis jemand auch als Mensch offiziell mehr wert ist als andere, wenn er mehr Likes hat, ist abzuwarten. Aber ich tippe, dass es nicht mehr lange dauert.

Guckt euch "Black Mirror" Staffel 3 Folge 1 an. Dann wisst ihr, was ich meine. In so einer Welt wollen wir nicht leben.

Wir wollen in einer echten Welt leben. Mit echten Freunden. Mit denen wir quatschen und lachen können, ohne das jemand anderem danach mitteilen zu müssen. Hashtag geiler Abend. Hashtag lange nicht mehr so gelacht. Nee, einfach nur lachen. Und quatschen. Und das verfickte Handy einfach liegen lassen.

Wir wollen in einer Welt leben, in der es okay ist, wenn man zum Therapeuten rennen muss, weil es einem scheisse geht. In der man schwach sein darf. Und unschön. Und normal. Und langweilig. Und in der man Cellulite haben darf und trotzdem in die Badeanstalt geht. Weil man kein verficktes Foto davon machen muss, sondern einfach nur seinen Spaß haben darf. Und in der es okay ist, wenn man okay ist. Und den anderen einfach sein lässt, wie er ist.

Hashtag fuck of Instagram. Hashtag fuck off Facebook.

Und tschüss.

Und hallo, echtes Leben!








Mittwoch, 3. Januar 2018

Mein Jahresrückblick 2017



Mein Jahresrückblick kommt etwas spät. Aber immerhin - da ist er!

Ich hab einfach mal Kategorien gemacht, und hier sind sie:

Gesehen: 

Mein Seh-Erlebnis 2017 waren auf jeden Fall alle Staffeln und alle Folgen von "The walking dead". Das ist unter Umständen jetzt mega peinlich. Ich hätte NIEMALS gedacht, dass eine ZOMBIE Serie mich dermaßen fesselt! Aber hat sie. Von der ersten Folge der ersten Staffel bis zum Mid-Season-Final der achten Staffel neulich.

Die Serie hat mich FEDDISCH gemacht, mich ausgelaugt, mich um den Schlaf gebracht, mir zwei bis drei Herzschläge pro Sekunde mehr beschert und meinen Magen zeitweise in ein schwarzes dunkles Loch verwandelt.

Ich bin einfach jetzt ein heftiger Fan. So ein richtiger Fan von "Team Rick" und natürlich finde ich Rick dermaßen HOT (äh, gutaussehend).. scheiß die Wand an. Neulich habe ich den Mund nicht zubekommen, also ich ihn in "Tatsächlich Liebe" gesehen hab. So jung und milchbubimäßig!

Trotzdem heiß.



Holy shit. Damned. Fucking hot.

Ja, oder was?

Gelernt:

Gibt es auf diesem Blog genug Speicherplatz dafür!?!?!?

Ich hab viel gelernt in 2017.

Ich hab gelernt, dass man sich so sehr Sorgen machen kann um jemanden, dass man körperlich leidet. Und dass man nicht alles alleine hin bekommt. Dass man sich Hilfe holen kann und muss, wenn man nicht mehr kann.

Dass ich nicht mehr kann. Bisweilen. Und dass das dann so ist. Fertig. Und dass ich dann aufhören darf. Mit was auch immer. Für eine Weile.

Ich hab gelernt, dass ich selbst für mich sorgen muss. Ich kann niemanden damit beauftragen, dies zu tun, ich kann es auch von niemandem erwarten, ich muss es selbst machen. Ohne Vorwurf, ohne Gram. Was auch Hilfe holen beinhaltet.

Ich habe Tage gehabt, da habe ich abends im Bett gelegen und nur eins gedacht: "Wenigstens leben wir noch alle."

Ich habe Menschen verloren, nicht nur in Wirklichkeit, sondern vor allem auch im Kopf. Ich habe mit Dingen abgeschlossen und werde sie nicht wieder anfassen.

Ich habe entdeckt, dass man viel aushalten kann. Ich hatte Momente, in denen ich dachte: "Das war´s jetzt. Du wirst ab jetzt nie wieder glücklich sein. Niemals mehr." Ich war danach wieder glücklich. Ich war nicht dieselbe, die vorher glücklich war, aber eine andere, die danach glücklich sein konnte.

Geliebt:

Unsere Familie. Unser unfassbar süßes Enkelkind. Meinen knuddeligen Lutschi-Babutschi.


Genossen:

Unseren ersten Offline-Urlaub. Wir waren im September in Österreich, nur mein Mann und ich und der haarige Kollege Schnürschuh vom Bild oben. Wir hatten eine Hütte ausgesucht, die fernab von fast jeglicher Zivilisation war und nur über eine Mautstraße zu erreichen war. Dort gab es kein Netz. Also keinen Empfang. Kein Internet. Kein Fernsehen. Keinen Strom, nur den von der Solaranlage. Kein Telefon. Denn das Hüttentelefon im Keller hat am ersten Tag seinen Geist aufgegeben. Wir waren offline. Komplett.

Nachdem ich die Befeuerung unseres Hüttenofens übernommen hatte (denn mein Mann zündet recht ungern Feuer an, und die haben dann auch nur die Größe eines Teelichts, maximal zwei Teelichter) und wir uns an die Abgeschiedenheit und unsere enge Zweisamkeit (Dreisamkeit, wenn man Kollege Schnürschuh mitzählt) gewohnt hatten, war es großartig.

Im Dorf im Tal bekamen wir alles, was wir brauchten. Alles andere war in der Hütte. Unser Holz mussten wir selbst hacken, aber es war genug da. In der Nacht versanken wir unter dem Dachboden der Hütte in unseren weichen Federbetten und schliefen den Schlaf derjenigen, die den Schlaf von Jahren nachzuholen hatten. Wir schliefen auch nach dem Frühstück gern noch mal. Oder am Nachmittag. Wir unternahmen weite Touren mit Lutschi und saßen auf Almen und tranken Bier und Kakao und sahen in eine unverschämte Postkartenidylle von Bergspitzen und blauem Himmel. Und wenn dann der Ofen in der Hütte brannte und ich mit meinem (voll aufgeladenen) e-book-reader in diesem einzigen Zimmer auf dem Sofa lag und der Hund zu meinen Füßen lag und seinen warmen Hundegeruch verströmte und die Holzscheite knisterten und mein Handy so stumm war, wie es nur sein kann, wenn man keinen Empfang hat und ich wusste, hier her kommt niemand, und niemand wird klopfen oder klingeln und niemand wird anrufen oder chatten, niemand, es gibt jetzt nur den großartigen Moment - dann war das mein Begriff von absoluter Glückseligkeit. Dort in der Hütte, mit nichts außer mir und uns, habe ich den höchsten Moment von Glückseligkeit in diesem Jahr erlebt.

Hier zu Hause war mir dann alles etwas viel. Viel zu hell, viel zu groß ist unser Haus, viel zu laut, immer kann man etwas gucken, googeln, im Fernsehen sehen, immer hört und liest man in irgendeinem Chat etwas, immer ist man erreichbar, immer. Ich hatte so sehr versucht, dieses ruhigen Fluss mit hierher zu nehmen. Das hat nicht funktioniert, gar nicht. Aber ich weiß jetzt, was mich glücklich macht. Eben genau solche Momente wie in der Hütte in Österreich.

Wer einmal dasselbe Erlebnis haben möchte, hier ist die Internetadresse : Rettensteinhütte. Einfach draufklicken und anschauen. Die Vermieter sind herzallerliebst und alles ist mit so viel Liebe zum Detail angelegt. Wir waren bereits in deren anderem Ferienhaus, dem Försterhäusl, und haben es auch sehr genossen. Das war aber mitten im Dorf.




Geplant:


Unser Haus. Wir bauen ein neues Haus. Haben sonst ja auch nix um die Ohren.

Unser Sohn zieht mit seiner Frau und unseren (bald zwei!) Enkelkindern in unser Haus ein, und wir bauen uns ein kleineres Haus auf unserem hinteren Grundstück der Firma. Also, wir sind alle zusammen auf einem Areal, aber getrennt. Sozusagen. Durch einen Zaun. (Meterhoch!!)

Bis jetzt gibt es nur die Bodenplatte, und in einigen Tagen geht es los mit dem Bauen. Ich platze vor Aufregung! Wir haben uns schon eine neue Küche ausgesucht (is klar, bevor die Bodenplatte auch nur da war), und es wird sicherlich wunderschön, wenn es fertig ist. Es hat dann nicht mehr 260 qm, wie unser jetziges Haus, sondern nur noch 160. Aber das sollte reichen für zwei Erwachsene und einen Kollegen Schnürschuh. Im Wohnzimmer wird es eine große Fensterfront geben, aus schwarzem Metall, die bis unters Dach reicht, also haben wir eine Art Galerie im Wohnzimmer, denn wir können vom oberen Stockwerk runterschauen. Es wird alles sehr industrial, boho, lässig und gemütlich eingerichtet werden. Einen Ofen werden wir auch haben! Und dann werde ich dort auch vor dem Feuer sitzen können, den Hund zu meinen Füßen und einfach nur den Moment genießen können.

Ich werde platzen vor Stolz, und ich werde euch auf jeden Fall mitnehmen auf die Reise zu unserem neuen Heim.

Ich habe sehr gerne in unserem jetzigen Haus gelebt, immerhin 17 Jahre lang, und es vollkommen zu einem Zuhause gemacht, und ich hoffe, ich bekomme das auch bei unserem neuen Haus hin. Aber ich denke schon!

So, ihr seht, es geht weiter. Ich nehm euch mit.

Gerettet:

In diesem Jahr habe ich wenigstens ein Leben gerettet. Von dem ich wirklich weiß. Das eines kleinen Hundes, der auf einer vierspurigen Kreuzung eine Böschung heruntergelaufen kam und offensichtlich keinen Besitzer hatte.

Es gibt so Momente, die machen einen zum kleinen Alltagsheld. Ich sehe den Hund, halte mein Auto an, ich war grad mit meiner Mama zu IKEA unterwegs, mit dem teuersten Schlitten, den wir auf dem Hof hatten, Voll-Leder-Ausstattung etc. Der Hund hat offensichtlich Panik, den er läuft auf der vollbefahrenen Kreuzung recht ängstlich herum. Ich trete auf die Kreuzung und halte einfach mal mit zwei Armen vier mal vier Spuren Verkehr an. Ich stehe mitten auf der Kreuzung und halte sechzehn Spuren an. Dann mache ich mich klein, locke den Hund an, schnappe im richtigen Moment sein Geschirr, hebe ihn daran hoch und werfe ihn in lockerem Bogen in meine 40.000 Euro Karre auf die Voll-Leder-Sitze der Rückbank. Um die Ecke auf einem Parkplatz halten wir an und schauen uns das entzückende Wesen an. Wir binden ihm das Tuch meiner Mutter als Leine um und gehen auf die Suche nach einem verzweifelt rufenden Besitzer. Keiner da.

Ein Polizei-Bulli 100 Meter weiter nimmt uns den Kleinen dann ab und umsorgt ihn sofort liebevoll. Ich gebe der Polizistin meine Handy-Nummer und bitte sie, WIRKLICH anzurufen, wenn sie etwas über den Hund und Besitzer heraus findet. Ich habe bereits für mich beschlossen, dass, wenn es keinen Besitzer gibt oder nur einen Arschloch-Besitzer, ich den Hund adoptiere. Er ist so entzückend und so vor mein Auto gepurzelt, das muss ein Wink des Schicksals sein. Ich bin sehr Karma-technisch unterwegs. Sie ruft mich dann später in der Schreibtisch Abteilung bei IKEA an und erzählt mir, dass der Besitzer aufgetaucht ist und überglücklich ist. Ich dachte kurz "schade" und dann lange "sehr gut!" und das war meine Rettungsaktion des Jahres.

Ein paar Tage hab ich mich wie ein Held gefühlt. Ich hab sechzehn Spuren Verkehr angehalten.

Kann auch nicht jeder.

Ansonsten....das Jahr war einfach wieder voll. Und generell sehr fordernd. Gab keine Möglichkeit, sich vom Jahr auszuklinken. Es gab oft nur die Durchhalte-Taktik. Was mich zu einem meiner Lieblingszitate weiterleitet:

"It ain´t about how hard you hit. 
It´s about how hard you can get hit
and keep moving on. 
That´s how winning is done."

Rocky Balboa/Sylvester Stallone

Auch etwas trashig. Aber wahr. Und manchmal ist das Leben so einfach. Einfach weitermachen. Durchhalten. Sich um die kümmern, die man liebt. Die laufen lassen, die nichts mehr für einen tun können und wollen. Am Leben bleiben. Ein guter Mensch sein. Die Welt ´n bisschen besser machen. Ein Leben retten.







Sonntag, 19. November 2017

Schwimmen



Jedes Wasser, in das ich steige, scheint mir zu sagen "Da bist du ja wieder."

Und wenn es nicht so gut läuft im Leben, wenn es grad alles schwer ist, dann ist Wasser mein Heilmittel. Kennt ihr das auch?

Wir kommen alle aus dem Wasser, schließlich sind wir 9 Monate darin rumgeschwommen, und mein Körper erinnert sich mit jeder Faser daran, sobald ich im Wasser bin.

Ich mag weder meine Schwimmsachen packen, noch mag ich es, mich abends im Dunkeln noch auf dem Weg in ein Schwimmbad zu machen, noch mag ich all meine dicken Winterklamotten ausziehen, einen Badeanzug anziehen und auf dem Weg von der Dusche ins Becken friere ich mir den Arsch ab und denke nur "echt jetzt?"

Und dann steige ich ins Wasser und mache meine ersten Schwimmzüge und vergesse einfach die Welt um mich herum. Ich mach mich klein und ich mach mich wieder lang und ich sehe meine Luftblasen im Wasser aufsteigen, wenn ich unter Wasser ausatme, und durch meine Schwimmbrille verschwimmt auch die Welt um mich irgendwie. Am anderen Ende angekommen atme ich ein paar Mal schwer und unter Wasser schlägt mein Herz schneller, und dann stoße ich mich wieder ab und mache mich wieder lang und mache mich wieder klein und wieder lang. Unter Wasser funktioniert mein Körper besser als an Land.

Wenn ich mir am Anfang eine Bahn aussuche, dann muss ich gucken, dass ich hinter jemandem schwimme, der schneller ist als ich, das spornt mich an und ich muss nur immer einmal ausweichen, wenn wir uns nach der Wende begegnen. Es gibt nicht viele, die schneller sind als ich. Ich bin wie ein Fisch, fürs Wasser gemacht.

Es gibt eine halbe Stunde nur das blaue Becken, meine Luftblasen, meine Hände, die das Wasser wegschieben, meine Muskeln, die anfangen, zu schmerzen, auf eine gute Art, ein guter Schmerz.

Es gibt keine Gedanken in der halben Stunde, nur Genuss, nur einfach da sein. Kein einziger Gedanke hat Platz. Nur meine Atmung, die kleinen Wellen, das blaue Licht, der Herzschlag, der Rhythmus.

Am Ende sitze ich noch zwei Minuten am Beckenrand. Ich hole Luft, ich wringe meine Haare aus und reibe mir meine Abdrücke von der Schwimmbrille weg.

Alles an mir ist jetzt warm, ich bin faser-rein, nicht nur porentief, sondern faser-tief, denn bis in meine Knochen bin ich jetzt sauber. Einmal durchgespült.

So ist das mit mir und dem Wasser....

Wollte ich nur mal so erzählen.

Habt einen feinen Sonntag..! Macht was Gutes draus.

Montag, 24. Juli 2017

Ich bin eine Heulsuse

Ist jemand von euch zufällig auch eine Heulsuse? Eine Flenntüte? Nah am Wasser gebaut?

Oh Mann. Ich bin es.

Nicht, wenn mich jemand ärgert oder so. Da werde ich eher wütend. Oder zynisch. Aber alles, was sich um meine Familie dreht, um unsere Kinder... da werd ich schwach.

Wir haben mal mit meiner Mama und ihrem Mann, mit meinem Mann und mit dem Sohn des Mannes meiner Mutter und seiner damaligen Freundin (jetzt Frau) - wobei das grade alles ganz kompliziert klingt - also, mit drei Pärchen jedenfalls - das ABBA Musical geschaut. In Frankfurt. Es war echt toll!! Kennt ihr MAMMA MIA? Naja, jedenfalls kommt die Stelle, wo sie als Mama ihrer Tochter die Haare macht für die Hochzeit. Und dabei singt.

"Schoolbag in hand, she leaves home in the early morning,
waving goodbye with an absent minded smile,
I watch her go with the surge of that well-known-sadness,
and I have to sit down for a while.

The feeling that I´m losing her forever,
and without really entering her world,
I´m glad whenever I can share her laughter,
that funny little girl.

Slipping through my fingers all the time,
I try to capture every minute,
the feeling in it,
slipping through my fingers all the time,
do I really see what´s in her mind,
each time I think I´m close to knowing,
she keeps on growing,
slipping through my fingers all the time..."

Oh Mann. Hardcore für Mütter. Wir mussten soooo sehr weinen. So ein richtig mächtiges Weinen, was aus der Kehle kommt und das man nicht aufhalten kann.

Jahre später gab es den Film dazu, also mit Meryl Streep. Großartig! Ich sitze nichtsahnend vor der Glotze und die Stelle kommt. Es war wieder genauso. Ich kann nichts dagegen tun. Die Tränen fließen mit einer Macht, ich kann mich nur hinsetzen und es laufen lassen. Nur zum Spaß (haha, ganz lustig!) habe ich es neulich mal morgens ausprobiert, auf eine kleine masochistische Art und Weise. Bei I-tunes das Lied angehört. Es verging eine Millisekunde (höchstens!) und die Tränen kamen geschossen. Unglaublich. Ich hatte vorher nix trauriges gedacht oder gemacht.

Ich habe das bei vielen Filmen, bei denen es um Töchter und Mütter geht. Kennt ihr das zufällig? Bitte sagt, dass ich nicht die einzige Bekloppte bin!!

Jedenfalls trifft dieser Text und dieses Lied offensichtlich mein innerstes Fühlen. Es kommt mir wie gestern vor, dass meine Kleine an meinem Hals hing. Dass ich zu ihr ins Bett gekrabbelt bin morgens um sie zu wecken, und sie schlaftrunken ihre Arme um mich geworfen hat. Dass wir uns im Schwimmbad totgelacht haben über den einbeinigen Piraten, den ich immer für sie spielen musste. Tock,Tock, Tock musste ich im halbtiefen Wasser auf sie zugehen und sie kreischte um Hilfe, die es nur am Beckenrand gab. Dort durfte der Pirat nicht hin. Wie wir im Freizeitpark immer und immer wieder in den Schwanenbooten zu Walzermusik im Kreis fahren mussten. Wie ihre Haut nach dem Toben und Spielen draußen gerochen hat, wie Kinderhaut eben riecht, leicht metallisch und trotzdem süß.

Es kommt mir wie gestern vor. Und ich dachte immer, wir haben Zeit im Überfluss. Wenn wir was haben, dann Zeit.


Was. Für. Ein. Scheiß.



Auf einmal ist sie groß. Sie hat ihr eigenes Leben und ich sehe und höre manchmal Tage nichts von ihr. Da ich weiß, dass sie glücklich ist, geht das für mich okay.

Gestern haben wir meinen Opa im Altersheim besucht, die Kinder waren auch mit, auch unser Enkelkind, wir waren also FÜNF Generationen, was ja schon mal selten ist und ganz großartig, und mein Opa hatte seinen Ur-Ur-Enkel auf dem Schoß,  und das kleine Speckhändchen von Levi hat die riesengroße faltige Hand von meinem Opa gehalten.



Ein Heulsusen-Moment.

Dieser Moment, wenn du dich so gesegnet fühlst mit all dem, was du bisher schon erleben durftest, und trotzdem einen Schmerz verspürst, so richtig im Herzen, so einen Schluchz-Schmerz, so ein Brennen in der Kehle ganz unten, der dir sagt, dass Zeit vorbei geht. Jetzt grade.

Ganz oft denkt man ja so Zukunftsdenken. Wenn wir erstmal Urlaub haben. Wenn wir erstmal in Rente sind. Wenn die Kinder erstmal groß sind (schlimmste Denke ever, bullshit). Wenn ich erstmal abgenommen habe. Wenn ich erstmal den Mann meiner Träume gefunden habe. Wenn ich erstmal reich bin....

B U L L S H I T.

Genießt einfach jede fu...ing Sekunde.

Und den Geruch der Kinderhaut. Und ihre süßen kleine Arme. Und ihr grenzenloses Vertrauen in dich. Und jede verdammte Minute mit ihnen.

Falls ihr da Nachhilfe braucht:


Das Video zum Song, Mamma Mia




Freitag, 23. Juni 2017

Wo geht die Liebe hin?

Als ich heute im Auto unterwegs war, kam eines meiner Lieblingslieder im Radio, und zwar "Groovy kind of love" von Phil Collins. Ich mag den Text so unheimlich gerne und ich hatte ein bisschen Pipi in den Augen. Es ist eigentlich das Lied, was zu meinem Mann und mir passt und was ich ihm schon einmal als Liebesbrief vor ewigen Zeiten geschrieben habe.
Ich musste daran denken, wie verdammt verliebt wir waren, mit 16, mit 18, mit 20.... wie hoffnungslos verliebt. Wie leicht das Leben damals war. Wie viele Federn wir seitdem gelassen haben.
Ich musste daran denken, wie selten es uns als Paar noch gibt, nur uns beide. Meistens sind wir Arbeitskollegen, Chefs, Eltern, Großeltern. Selbst auf der Couch sitzt immer jemand bei uns, jedenfalls mental, und wohnt unserem Feierabend bei. Immer ist etwas zu besprechen, zu planen, zu sorgen, zu klären.
In manchen Momenten kommt durch, was uns mal ausgemacht hat oder immer noch ausmacht, und das ist dann ganz großartig. Dass wir immer noch dieselben sind, die in Italien 1988 zwei Wochen lang gezeltet haben, auf dem Campingkocher Burger gebraten haben, sich auf den Luftmatratzen im Meer haben treiben lassen, die mit dem VW Käfer an den Baggersee gefahren sind und verbotenerweise auch dort gezeltet haben. Die selben, die sich so gestritten haben, dass Geschirr dabei zu Bruch ging, dieselben, die sich ebenso heftig wieder versöhnt haben.
Ich habe in unserem Wohnzimmer einen Spruch in einem Rahmen stehen, der so gut passt auf so viele Situationen im Leben: 

"The grass isn´t greener on the other side. It´s greener where you water it."

Das Gras ist nicht grüner auf der anderen Seite. Es ist dort grüner, wo du es gießt. 

Um uns herum gibt es immer nur Trennungen. Paare trennen sich nach Jahren, nach Jahrzehnten, nach Monaten oder Wochen. Sobald es schwierig wird, ist Schluss. Dabei sind das Paare, die auch Kinder haben. Ein Haus. Eine Vergangenheit. Ganz ehrlich jetzt mal: das ist doch völlig schwachsinnig, sich mal so sehr geliebt zu haben, dass man Kinder gezeugt hat und gemeinsam groß gezogen, dass man gemeinsam die Wehen veratmet hat und Tränen der Freude vergossen, dass man gemeinsam Nächte durchwacht hat und gemeinsam Sonnenuntergänge angeschaut hat.. und dann soll die Liebe einfach weg sein?

Nee nee, Leute. So einfach ist das nicht. Wo ist sie denn hingegangen, die Liebe?

Die ist noch da. Die braucht nur Wasser.

Ich werd manchmal richtig sauer, wenn ich sehe, wie leichtfertig Leute auseinander rennen. Sie werden von sich behaupten, dass sie es sich nicht leicht gemacht haben, aber ehrlich: wenn der Partner nicht gewalttätig ist und kein schlechter Mensch, und im Grunde noch der gleiche, in denen ich mich vor Jahren unsterblich verknallt habe - wenn er einfach nur manchmal den Hochzeitstag vergisst oder die Blumen, wenn er einfach nur gestresst ist oder mit sich selbst nicht zufrieden... dann holt die verdammte Gießkanne raus und wässert eure Beziehung.

Manche Paare haben scheinbar alles - und dann hört man, die leben nicht mehr zusammen. Ich denke meistens "What the fuck!?" Geht´s euch zu gut? Habt ihr keine anderen Sorgen? Habt ihr zuviel Facebook und Instagram und Blogs gelesen, dass ihr denkt, dass es woanders besser ist?

The grass isn´t greener on the other side.

Habt ihr nicht gewusst, dass es auch großartig sein kann, nach einer Nacht, in der die Kinder die Betten vollgekotzt haben, zum ersten Mal wieder durchzuschlafen? Wie toll es sich anfühlt, wenn man abends zusammen abwäscht nach einer Familienfeier? Wie schön es ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind und zum ersten Mal zu Besuch und das Auto fährt vom Hof und man steht da und denkt "da fahren unsere Kinder vom Hof" und man hat vor komischer Rührung Tränen in den Augen? Wie großartig es sich anfühlt, wenn man abends in ein Bett steigt, dass vom anderen schon angewärmt wurde? Wie toll es ist, abends nach Hause zu kommen und draußen stehen zu bleiben, nur um das Gefühl auszukosten, dass drinnen Licht und Wärme und die Liebsten sind, in ihren Betten oder im Wohnzimmer, auf dem Sofa eingeschlafen und du kommst rein und jemand steht für dich auf und sagt "schön, dass du wieder da bist"

Yep. Das ist alles nur Kleinkram, aber großartiger Kleinkram. Darauf will ich auf keinen Fall verzichten und was in den Sack hauen. Solltet ihr auch nicht.

It´s greener where you water it. 

Also holt die Gießkanne raus und macht es euch auf eurer Seite des Lebens schön.


(Zwar schon alt, aber immer noch schön das Bild von uns vieren....)
    

Dienstag, 18. April 2017

Am Arsch geht auch ein Weg vorbei...

... so heißt das Buch, das ich zu Ostern geschenkt bekommen habe von unserem Sohn und unserer Schwiegertochter. "Arsch" sagt man ja nicht. Aber ich kann ja nix für den Buchtitel. Außerdem sag ICH schon "Arsch".  

JEDENFALLS ist das Buch wirklich nett. Es gibt ja soooo viele Lebensratgeber, von Motivationsbüchern über "Bleib einfach so"-Büchern bis zu "Du kannst alles schaffen, wenn du dir nur richtig den Allerwertesten aufreißt"-Büchern.

Ja, wie denn nun?!?!?!

Und da wirds interessant. Da ja heutzutage alles möglich ist und dies auch über sämtliche Social-Media Kanäle kommunziert wird und jedem Neugeborenen quasi mit der Muttermilch injiziert wird, macht das die Selbstfindung nicht einfacher. Ist man eigentlich ein Perfektionist? Im Innersten seiner Seele? Oder glaubt man das nur? Ist man gerne in Gesellschaft von anderen Menschen oder tut man das nur, damit man einen geselligen Eindruch von sich vermittelt? 

Einen ähnlichen Post habe ich schon mal verfasst, darin gehts um "einen Scheiss muss ich". Das Buch hat mich echt schon weit nach vorn gebracht, muss ich sagen. Dieses Buch jetzt ist anders, zielt aber auf das gleiche Problem ab. Will ich wirklich etwas und mag ich wirklich etwas oder tu ich nur so? Und warum tu ich das?

Immer einen guten Eindruck machen zu wollen, ist nämlich manchmal anstrengend. Ich bin zum Beispiel so erzogen. Das ist kein Vorwurf an meine Erziehung (auch wenn meine Mama das jetzt liest und sich selbstverständlich angesprochen fühlt), sondern einfach eine Tatsache. Was andere von einem denken, war ein wichtiger Aspekt in meiner Erziehung. Damit bin ich super durchs Leben gekommen. Ich komme mit vielen Leuten klar, ich kann mich benehmen, ich erreiche meine Ziele in der Regel, bin hilfsbereit, respektvoll und höflich. Alles richtig gemacht, Mama. 

Ganz manchmal ist man als solcher Mensch irgendwann aber an einem Punkt (und der ist meistens dann erreicht, wenn man realisiert, dass man mehr Leben hinter sich hat als vor einem), dass man sich fragt: "Das bin wirklich ich? Oder ist ICH irgendwie verschütt gegangen?"

Und in so einer Situation benötigt man manchmal nur EINEN Satz aus einem Buch. Damit man versteht, dass man vollkommen okay ist, auch wenn man sich mal nicht so verhält, wie es andere erwarten. 

Ich wäre zum Beispiel gerne viel geselliger. Ich bewundere Menschen, die so viel Energie in sich tragen, dass es zum arbeiten, feiern, tanzen, lesen, Gartenarbeit und Sport reicht. Die sich gerne und viel mit anderen Menschen umgeben und denen es nichts ausmacht, wenn sie beim Sonntagsschläfchen auf der Couch vom Klingeln an der Haustür geweckt werden und draußen steht die Clique und schreit "Überraschung" und dann wird die Musik aufgedreht und alle tanzen in der Küche um eine Kochinsel, auf der sich Nudeln mit Tomaten befinden und am besten noch Pizzateig und am Schluss haben alle Mehl im Gesicht und prosten sich aus großen Gläsern mit Rotwein zu und am Horizont geht schon die Sonne auf. 

Hört sich super an. Sollte man öfter mal machen, denn sowas macht man und alle, die sowas kacke finden, sind doch irgendwie merkwürdig.

Dann bin ich merkwürdig. Definitiv.

Ich habe einen Freundeskreis, den man an zwei Händen abzählen kann. Die liebe ich aber auch wirklich und mag auf sie nicht verzichten. Alle anderen sind Bekannte. Ich liebe alleinsein. Ich bin Mrs. Grumpy-Cat, wenn ich müde bin und ich HASSE es, wenn mich jemand aus dem Schlaf klingelt. Ich kann gut darauf vezichten, auf Partys zu gehen, auf denen ich Leute treffe, die ich nur einmal im Jahr sehe, um mit denen über Dinge zu reden, die uns nicht weiter bringen und den Weltrekord im Small Talk zu brechen, um mir nach Mitternacht zu überlegen, wieviel Lebenszeit ich grade vergeudet habe. Ich hasse Konversationen, die sich um NICHTS drehen, nur um gesprochen zu haben. 

Das bin ich. Und das ist völlig okay. Es ist egal, wie andere das finden. Am Arsch vorbei.

Nicht so zu sein wie andere ist keine Schwäche. 

Die Generation der Social Media Kanäle muss sich heute leider immer wieder mit anderen vergleichen. Dabei kann man nur verlieren. Denn da draußen tobt doch das wahre Leben und alle haben fortwährend nur Spaß beim Picknicken oder Surfen, während ich immer noch gerne Chips-futternd und in Schlafanzughose meinen Sonntag verbringen möchte. Am Arsch vorbei. Alles ist erlaubt, wenn es genau das ist, was du machen möchtest. KEIN MENSCH da draußen muss DIR sagen, wie du dein Leben zu führen hast. Das wären nämlich ziemlich viele Leute, die da mitzureden hätten. Ganz viele. Eingeschlossen deine Schwiegereltern, Eltern, Bekannte, Nachbarn. Und die sagen alle was anderes!!! Schei.. die Wand an, auf wen hört man da am besten?!?!

Auf keinen. Hör auf dich. Guck, was dich ausmacht. Womit fühlst du dich gut? Bist du ein Eigenbrötler? Dann wird kein noch so toller Ratgeber aus dir einen Gesellschaftshengst machen. Bist du eher still? Dann wird kein Motivationsbuch dich zum Reden bringen. Dafür kannst du sicher super zuhören und Menschen können sich bei dir öffnen. Bist du ein kreativer Chaot? Dann wirst du sicherlich niemals Finanzbeamter werden wie dein Vater. Du kannst aber vielleicht ein großartiger Künstler werden. Bist du sensibel? Großartig. Dann wirst du dich schnell in andere Menschen hineinversetzen können und verstehen, was sie bewegt. Du wirst allerdings niemals in die Chefetage aufsteigen und dort über 50 Kündigungen entscheiden können.

WAS. WILLST. DU.

WAS.MACHT.DICH.AUS.

Egal, was andere machen. Andere gibt es schon genug. Dich gibt´s nur einmal. Wenn du den verbuddelst, wäre es echt schade drum. 

Denn dann ist der eine einzige, den es nur einmal gab, einfach weg.....



Freitag, 31. März 2017

Listenpreise

Ich verkaufe ja Autos.

Der Berufsstand des Autoverkäufers ist auf der Beliebtheitsskala der Bevölkerung ungefähr gleichzusetzen mit Vertretern von Staubsaugern. Oder mit Zeugen Jehovas, die am Sonntagmittag an der Haustür klingeln. Das macht mir aber nix aus, denn ich mag meinen Beruf. Ich mag Autos, ich mag Autofahren, ich mag Menschen und ich mag die Interaktion mit Menschen. Soweit alles im grünen Bereich.

Immer wieder aber drängt sich mir alle paar Monate mal die Frage auf: Was ist eigentlich mit den Listenpreisen in Fahrzeugbroschüren los? Sie führen ein sehr armseliges Dasein. Denn sie bedeuten NICHTS. Sie haben keinerlei Bedeutung im Verkaufsgespräch. Denn sie existieren nur auf dem Papier. Und dort sind sie ja auch nur dazu da, um dem Kunden einen HAUCH von dem Fahrzeugwert zu vermitteln, den es zu verhandeln gilt.

Ich stelle mir das in anderen Bereichen des Komsumalltags vor: 

"Die Jeans ist an sich nicht schlecht. Was ist ihr letzter Preis dafür?"

"Die Avocodo erlebt ja gerade einen inflationären Absatz. Der Preis, den Sie dafür aufrufen ist zu hoch, ich biete Ihnen an, sie für die Hälfte mitzunehmen."

" 99 Cent für einen Liter Milch?!?! Wo leben Sie denn bitte? Machen Sie mir einen anständigen Preis, dann denke ich darüber nach, sie zu kaufen."

Es gibt keinen Bereich, in dem so hohe Nachlässe gewährt werden wie im Automobilbereich. Erst eben erzählte mir ein Interessent, dass er bei Mercedes einen Nachlass von 50 % erhalten habe. Ein Fahrzeug wurde von 70.000 Euro auf 35.000 reduziert. Einfach so im Gespräch. 

WHAT THE FUCK ist denn da los?

Okay, gehen wir davon aus, dass es Listenpreise gibt. Und dass sie verhandelbar sind. Soweit ist alles klar. Stellen wir uns ein Verkaufsgespräch vor, wie es aber nie stattfindet:

Kunde: "Im Prospekt stehen 19.990,00 € für mein Wunschfahrzeug. Was ist Ihr Preis?"

Verkäufer: "19.990,00 € .... Sie sehen es ja im Prospekt....."

Kunde: "Wieso das denn? Sie können mir das Fahrzeug doch nicht für den Listenpreis verkaufen!!"

Verkäufer:"Ist was beschädigt an dem Fahrzeug, kaputt, defekt, nicht funktionstüchtig?"

Kunde: "Nein, aber... die anderen bieten es doch auch günstiger an!"

Ist ja kein Argument. Andere schlagen auch ihre Kinder, das macht es ja nicht automatisch besser oder richtig.

Kunde:".......aber im Internet gibt es dieses Fahrzeug schon für 15.000,00 €...!"

Ist auch kein Argument, im Internet gibt es auch Leute, die ihre Schwiegermutter zum Kauf anbieten. Das Internet ist also an sich nicht unbedingt das beste Beispiel für Seriosität.

Schwamm drüber! Natürlich rede ich so nicht mit meinen Kunden. Ich mag unsere Kunden von Herzen, also werd ich einen Teufel tun. 

Ich finde es nur so .... witzig....irgendwie....

Wenn jemand freundlich ist, man ein gutes Gespräch hat, man eine Wellenlänge findet und ich anfange, sein Tun und Denken zu verstehen, dann kommen wir sowieso auf einen Nenner. Das ist nie ein Problem. Ich hab aufgrund von Sympathie auch schon mal ein Auto ohne Ertrag verkauft. Aus Mitleid haben wir auch schon Kunden eine Ratenzahlung ohne Bank ermöglicht, einfach nur, weil uns dieser Mensch und seine persönliche Situation so ans Herz gingen. 

Andersrum ist es dann toll, wenn ein Kunde den WERT eines Kaufes bei uns versteht und auch bezahlen will. 

Davon haben wir zum Glück ganz viele!! Danke dafür! Und die anderen....euch werden wir auch noch überzeugen....;;)))



Donnerstag, 30. März 2017

Allergie ist ein Arschloch

Ich gehe sogar so weit, dass ich sage:

Allergie ist ein verf...tes Arschloch. Ich habe sooooo sehr den Kanal voll von meiner Allergie, dass ich ein neues Wort für "Kanal voll" erfinden müsste. Ich HASSE HASSE HASSE es.

Ich kann wegen meiner Allergie nicht mit auf eine Kurzreise nach Barcelona. Okay, es wäre geschäftlich gewesen, aber trotzdem habe ich mich so sehr darauf gefreut. Mal raus, fliegen, vielleicht etwas Sonne und Wärme, ein schönes Hotel....und Barcelona ist soooo wunderschön.

Aber: es gibt da nichts zu essen für mich. Die Zwei-Tages-Veranstaltung wird von spanischen Agenturen übernommen, es ist für den Veranstalter selbst ein Überraschungspaket, ich habe versucht, herauszufinden, ob es irgendwas gibt, was ich essen kann, aber nichts erreicht.

Ich kann im Flieger außer trockenen Sachen nichts mitnehmen, und zwei Tage Kekse oder trocken Brot essen will ich auch nicht.

Ich weiss auch, dass es natürlich schlimmeres gibt!!! Ich weiß, dass es Menschen gibt, die krank sind, die alles dafür geben würden, so leben zu können wie beispielsweise ich... ich weiß das und ich bin zu 99 Prozent meines Lebens der dankbarste Mensch auf Erden.

NUR NICHT JETZT GERADE.

Vielleicht kann das keiner nachvollziehen, der diese Scheiße nicht hat. Aber ich schildere mal ein Auswärtswochenende. Ich war mit meiner Mutter in Dresden.

Am Ankunftstag kommen wir am frühen Nachmittag in Dresden an. Mit dem Zug. Essen mitschleppen außer mein Brot war also nich. Wir tingeln so ein bisschen rum und ich esse eine Kugel Eis ohne Waffel. Wir setzen uns irgendwo noch mal zum Kaffee hin und ich trinke einen Latte. Kuchen kann ich nicht essen, heiße Waffeln riechen köstlich, darf ich aber nicht. Noch ein Eis... nee, danke.

Zum Abend spazieren wir durch die schöne Innenstadt und suchen was zu essen. Italiener, Chinese, Döner, Hamburger... alles da. Alles nix für mich. DA!!! Vapiano!!! Toll, ich habe irgendwo gelesen, dass die glutenfreie Nudeln im Sortiment haben. Wir ergattern draußen einen Tisch mit Blick auf die Frauenkirche, der Abend ist mild, Musik schallt herüber.. ein Traum!! Ich stelle mich in die lange Nudelschlange. Mit glänzenden Augen bestelle ich "einmal glutenfreie Nudeln mit Tomatensauce bitte:" Vor Dankbarkeit könnte ich fast heulen. Hier gibt es was zu essen für mich!!! Der Typ hinterm Tresen schaut betreten.....

"Tut mir leid, die Lieferung der glutenfreien Nudeln wurde mit den normalen Nudeln vertauscht... ich kann Ihnen die nicht anbieten..." Ich starre ihn an wie einen schlechten Witz. "Ernsthaft jetzt?"
Er zuckt die Schultern "Tut mir leid. Sie können sich einen Salat bestellen."

Juhu. Ich gehe ein paar Meter weiter und stelle mich in die Salatschlange. Stelle meinen Salat zusammen und frage den anderen Typen hinter dem Tresen, was in dem Dressing drin ist. Geschmacksverstärker darf ich nicht. Er weiß es nicht und muss jemanden holen, der es weiß. Der ist gerade nicht da. Die Schlange hinter mir wird länger. Ich hätte gerne ein Dressing, das ist doch wohl nicht zu viel verlangt... Es kommt jemand aus der Küche. "Wo ist die mit der Allergie?" ruft er in die Schlange. Ähhhh... das bin wohl ich. Superpeinlich. Er erklärt mir die Zutaten im Dressing und ich kann es nehmen. Kein Brot, danke. Sieht köstlich aus, darf ich nicht. 

So, zum Abendessen also Salat. 

Frühstück ist klar, Buffet, alles soweit okay, ich kann 50 Prozent davon nicht essen, wenn man das Brot und so noch mitzählt, darf ich 85 % nicht essen. Drauf geschissen, Frühstück ist eh nicht so meines Mahlzeit des Tages, das reicht schon.

Mittags.... wir waren zu einer Führung in der Semperoper, danach suchen wir Mittagessen. Wir landen wieder bei Vapiano, ich esse einen Salat. Abends suchen wir noch mal so richtig ernsthaft nach etwas anderem, wenn ich nochmal nur Salat essen muss, wächst mir ´n Puschel am Arsch.

Wir suchen eine Stunde lang. Wir landen letzten Endes bei Maredo, einem Steakhaus, von dem ich weiß, dass ich dort die Kartoffel mit Sour Creme essen kann. Ich esse eine. 

Nach dem Wochenende habe ich zwei Kilo abgenommen. Ist jetzt kein Drama, aber muss ich nicht unbedingt.

Und so ist jedes Auswärts-Essen. Jedes. Einladungen zu Grill Partys: es gibt höchstwahrscheinlich mariniertes Steak (darf ich nicht, wenn es fertig mariniert war, wegen Geschmacksverstärkern), Schinkengriller (darf ich nicht wegen geräuchert), Nudelsalat (ist klar, ne), Fladenbrot (ist ein no-brainer, oder?), Kräuterbaguette (wird nicht besser hier). 

Ich esse also vorher zu Hause was. Wenn ich dann nicht rüber kommen will wie eine dekadente, übertriebene, überhebliche, empfindliche KACKBRATZE, kann ich höchstens sagen, dass ich was am Magen habe. Wenn ich sage, dass ich das ALLES nicht essen kann, glaubt mir eh kein Mensch.

Wenn es so wäre, dass ich nach einem falschen Essen einfach nur Bauchweh hätte oder Durchfall - echt jetzt, kein Ding, ich würde es essen und meine Fresse halten. Aber ich bin leider richtig krank. Mit Schüttelfrost, Durchfall, geschwollenen Schleimhäuten, Krämpfen, Herzrasen. Zwei Tage lang. Im Bett. Keine Chance, aufzustehen und zu arbeiten. Danach brauch ich nochmal zwei Tage, bis normales Essen wieder geht. 

Toleranz kann ich mir also nicht leisten beim Essen. 

Und Barcelona jetzt abzusagen, war irgendwie der Tropfen, den mein Fass grad nicht mehr brauchte..

Ich hasse es, dass ich in vielen Bereichen einfach meine Gesellschaftsfähigkeit verloren habe. Dass ich Sachen einfach nicht mehr mitmachen kann. Dass es mich SO einschränkt. 

Zu Hause geht das alles gut. Und bei uns auf dem Hundeplatz im Verein richten sich alle beim Kochen danach, das ist einfach nur toll und ich bin unendlich dankbar dafür. Keiner macht sich da lustig, keiner stellt blöde Fragen, keiner macht dumme Sprüche. 

Aber WOANDERS sein wird für mich immer mehr zum Problem. Und ich werde immer biestiger, wenn es jemand nicht rafft und mir immer noch nach 6 Jahren Brot anbietet. Ein FAMILIENMITGLIED. Mein Hemmschwelle zur Garstigkeit sinkt in so einem Fall gegen Null und ich muss mich zusammenreißen, nicht nur was Blödes zu denken, sondern es auch zu sagen. 

Wenn ich dann noch lese, dass Allergien eine Modeerscheinung sind und dass viele Allergien nur eingebildet sind und dass es heutzutage wohl zum guten Ton gehört, mindestens eine Laktoseintoleranz zu haben (HAB ICH NICHT!!!!), dann könnte ich Regenbogenfarben kotzen. 

Ich würde ohne zu überlegen mindestens einen Finger opfern (zur Not auch meinen eigenen), um normal zu sein. Ich hab den Scheiß erst seit 6 Jahren. Und ich hasse es, so wie man Krebs hasst oder ein Furunkel am Hintern. 

Keine Ahnung, ob ihr es geschafft habt, bis zum Schluss zu lesen...;)) Aber irgendwie musste das mal raus. Ich bin grad einfach mal sehr angepisst. Geht auch wieder vorbei. 

ABER vielleicht hat´s einer gelesen, der bisher dachte, Lebensmittelallergien sind was für Pussis. Oder für Ökos oder für sonst irgendwelche Nerds, die sonst nix anderes zu tun und zu denken haben im Leben. Ich bin keiner von denen. Und ich hab so´n Kack auch. 

TROTZDEM: einen wundervollen Resttag für euch, einen entspannten Freitag und ein sonniges Wochenende! Wir haben am Samstag den ganzen Tag unseren kleinen Levi bei uns, ich freue mich darauf und mache mir einen tollen Tag mit ihm!