Montag, 12. Februar 2018

Ich bin raus

Ich bin raus. Gestern Abend habe ich mich aus meinem Instagram Account verabschiedet. Und ich habe die App und auch die von Facebook von meinen Geräten entfernt. Ich bin raus.

Und dabei war ich voll drin. Ich habe mir Follower gekauft. Es gibt Apps oder Programme, mit denen das geht. Ich bekam in kürzester Zeit mehr und mehr Follower und der erste Griff morgens war der zum Handy. Ich hatte über Nacht wieder 10 mehr!!! Halleluja! Ich kannte keinen verdammten von diesen Leuten. Nie gesehen. Als ich den ersten Blow-Job live auf Instagram sah, von einem meiner gottverdammten Follower, die ich alle nicht kannte, schwante mir zum ersten Mal, dass da was nicht gut sein kann....

Ich fotografierte mein Essen, BEVOR ich es aß. Ich fotografierte mich nach dem Sport. Beim Sport. Beim Spaziergang mit Balu fotografierte ich meinen Hund. Und den Sonnenaufgang. Und den Sonnenuntergang. Meine braunen Beine am Swimmingpool im Urlaub. Meinen Cocktail. Unseren Weihnachtsbaum. Mein Outfit.

Und WHO THE FUCK CARES?

Nobody. Jeder macht den gleichen Scheiss und ist davon überzeugt, oder im frühen Stadium des Postens HOFFNUNGSVOLL, dass es die Welt da draußen interessiert. Dass es eure falschen Freunde da draußen interessiert. Die euch "Süße" nennen, obwohl sie noch nie im Leben mit euch einen gottverdammten Kaffee getrunken haben. Die euch Herzen senden, obwohl sie auf der Straße an euch vorbei laufen würden. Weil ihr euch nicht erkennen würdet. Denn ihr kennt euch nicht. Ihr kennt nur euer Abbild, das ihr der Welt da draußen sendet, eure Arrangements aus Müslischalen, Kaffeetassen und Blumen, wofür ihr auf den Stuhl steigen musstet, um das abzulichten. Müslis und Outfits. Müslis und Outfits. Bis man ganz crunchy wird im Kopf.

Und ich war dabei. Aber sowas von. Müslis und Outfits. Und immer den Blick auf die Likes. Mag das jemand? Und wie viele? Und warum nicht? Was stimmt an meinem Outfit nicht? Oder am Sonnenaufgang? Was poste ich als nächstes? Was bringt mir likes. Und was möchte ich der Welt da draußen vermitteln?

Der Vergleich ist der Anfang vom Unglücklichsein. Hat mal ein kluger Mensch gesagt. Beim Vergleich mit anderen können wir nur verlieren. Wir werden immer abkacken. Andere Leben sind vielleicht nicht aufregender oder stylischer oder romantischer. Es wird nur gekonnter erzählt, dass es so ist. Aber das wahre Leben findet bei euch statt. Es krabbelt vor euren Füßen, es wartet im Garten, es sitzt auf eurem Fahrrad, es liegt in eurem Bett.

Ich liiiieeebe schöne Bilder. Ästhetische Kompositionen. Tolle Farben. Insofern hat mich Instagram schnell angefixt. Und lange hing ich an dieser Nadel.

Aber es sind nur Bilder.

Ist das die Art, wie wir uns begegnen wollen? Ist das die Art, wie uns Menschen sehen sollen? Macht das die Welt auch nur einen winzigen Deut besser?

Den vorletzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich auf unserem Luke Mockridge Abend erhalten. In der Pause. Ich bin sitzen geblieben und mein Mann holte uns ein Getränk. Ich schaute mich um und sah nichts außer bloggende und postende junge Menschen. Mädels und Jungs. Hashtag Luke Mockridge. Hashtag geiler Abend. Selfies. Keiner redete mit dem anderen. Oder nur um zu sagen, mach mal n Foto. Und da dachte ich mir so: das ist traurig. Das muss aufhören. Auch für mich.

Den letzten Hinweis auf die Traurigkeit des Postens habe ich gestern abend erhalten, als ich eine Instagram Story erstellt habe, bei der es darum ging, dass man dann wieder jemanden benennt und der jemanden benennt und so weiter. Einer Person war das zu doof, und ich bin ihr dankbar dafür. Denn den Schubs brauchte ich noch, um mir klar zu werden, wie traurig das ganze ist. Und wie verlogen. Und wie ich an der Nadel des Gefallens hing. Und dass ich mir die jetzt ziehen muss.

Ich will nicht danach bemessen werden, wie viele mögen, was ich tue. Ich bin eigentlich ein Mensch, dem es herzlich egal ist, was andere von mir denken. Eigentlich. Und trotzdem habe ich mit gemacht. Dabei will ich nur mein Leben leben. Ohne daran zu denken, ob das Essen ein Foto wert ist. Oder jemand anderem ein Like.

Bewertet zu werden ist etwas, das uns direkt vergleichbar macht. Und Vergleiche sind der Anfang vom Unglücklichsein. Jemand, der mehr Follower hat, ist mehr wert. Für die Industrie. Für welchen Zweig auch immer, er ist mehr wert. Wie lange der Sprung noch dauert, bis jemand auch als Mensch offiziell mehr wert ist als andere, wenn er mehr Likes hat, ist abzuwarten. Aber ich tippe, dass es nicht mehr lange dauert.

Guckt euch "Black Mirror" Staffel 3 Folge 1 an. Dann wisst ihr, was ich meine. In so einer Welt wollen wir nicht leben.

Wir wollen in einer echten Welt leben. Mit echten Freunden. Mit denen wir quatschen und lachen können, ohne das jemand anderem danach mitteilen zu müssen. Hashtag geiler Abend. Hashtag lange nicht mehr so gelacht. Nee, einfach nur lachen. Und quatschen. Und das verfickte Handy einfach liegen lassen.

Wir wollen in einer Welt leben, in der es okay ist, wenn man zum Therapeuten rennen muss, weil es einem scheisse geht. In der man schwach sein darf. Und unschön. Und normal. Und langweilig. Und in der man Cellulite haben darf und trotzdem in die Badeanstalt geht. Weil man kein verficktes Foto davon machen muss, sondern einfach nur seinen Spaß haben darf. Und in der es okay ist, wenn man okay ist. Und den anderen einfach sein lässt, wie er ist.

Hashtag fuck of Instagram. Hashtag fuck off Facebook.

Und tschüss.

Und hallo, echtes Leben!








Mittwoch, 3. Januar 2018

Mein Jahresrückblick 2017



Mein Jahresrückblick kommt etwas spät. Aber immerhin - da ist er!

Ich hab einfach mal Kategorien gemacht, und hier sind sie:

Gesehen: 

Mein Seh-Erlebnis 2017 waren auf jeden Fall alle Staffeln und alle Folgen von "The walking dead". Das ist unter Umständen jetzt mega peinlich. Ich hätte NIEMALS gedacht, dass eine ZOMBIE Serie mich dermaßen fesselt! Aber hat sie. Von der ersten Folge der ersten Staffel bis zum Mid-Season-Final der achten Staffel neulich.

Die Serie hat mich FEDDISCH gemacht, mich ausgelaugt, mich um den Schlaf gebracht, mir zwei bis drei Herzschläge pro Sekunde mehr beschert und meinen Magen zeitweise in ein schwarzes dunkles Loch verwandelt.

Ich bin einfach jetzt ein heftiger Fan. So ein richtiger Fan von "Team Rick" und natürlich finde ich Rick dermaßen HOT (äh, gutaussehend).. scheiß die Wand an. Neulich habe ich den Mund nicht zubekommen, also ich ihn in "Tatsächlich Liebe" gesehen hab. So jung und milchbubimäßig!

Trotzdem heiß.



Holy shit. Damned. Fucking hot.

Ja, oder was?

Gelernt:

Gibt es auf diesem Blog genug Speicherplatz dafür!?!?!?

Ich hab viel gelernt in 2017.

Ich hab gelernt, dass man sich so sehr Sorgen machen kann um jemanden, dass man körperlich leidet. Und dass man nicht alles alleine hin bekommt. Dass man sich Hilfe holen kann und muss, wenn man nicht mehr kann.

Dass ich nicht mehr kann. Bisweilen. Und dass das dann so ist. Fertig. Und dass ich dann aufhören darf. Mit was auch immer. Für eine Weile.

Ich hab gelernt, dass ich selbst für mich sorgen muss. Ich kann niemanden damit beauftragen, dies zu tun, ich kann es auch von niemandem erwarten, ich muss es selbst machen. Ohne Vorwurf, ohne Gram. Was auch Hilfe holen beinhaltet.

Ich habe Tage gehabt, da habe ich abends im Bett gelegen und nur eins gedacht: "Wenigstens leben wir noch alle."

Ich habe Menschen verloren, nicht nur in Wirklichkeit, sondern vor allem auch im Kopf. Ich habe mit Dingen abgeschlossen und werde sie nicht wieder anfassen.

Ich habe entdeckt, dass man viel aushalten kann. Ich hatte Momente, in denen ich dachte: "Das war´s jetzt. Du wirst ab jetzt nie wieder glücklich sein. Niemals mehr." Ich war danach wieder glücklich. Ich war nicht dieselbe, die vorher glücklich war, aber eine andere, die danach glücklich sein konnte.

Geliebt:

Unsere Familie. Unser unfassbar süßes Enkelkind. Meinen knuddeligen Lutschi-Babutschi.


Genossen:

Unseren ersten Offline-Urlaub. Wir waren im September in Österreich, nur mein Mann und ich und der haarige Kollege Schnürschuh vom Bild oben. Wir hatten eine Hütte ausgesucht, die fernab von fast jeglicher Zivilisation war und nur über eine Mautstraße zu erreichen war. Dort gab es kein Netz. Also keinen Empfang. Kein Internet. Kein Fernsehen. Keinen Strom, nur den von der Solaranlage. Kein Telefon. Denn das Hüttentelefon im Keller hat am ersten Tag seinen Geist aufgegeben. Wir waren offline. Komplett.

Nachdem ich die Befeuerung unseres Hüttenofens übernommen hatte (denn mein Mann zündet recht ungern Feuer an, und die haben dann auch nur die Größe eines Teelichts, maximal zwei Teelichter) und wir uns an die Abgeschiedenheit und unsere enge Zweisamkeit (Dreisamkeit, wenn man Kollege Schnürschuh mitzählt) gewohnt hatten, war es großartig.

Im Dorf im Tal bekamen wir alles, was wir brauchten. Alles andere war in der Hütte. Unser Holz mussten wir selbst hacken, aber es war genug da. In der Nacht versanken wir unter dem Dachboden der Hütte in unseren weichen Federbetten und schliefen den Schlaf derjenigen, die den Schlaf von Jahren nachzuholen hatten. Wir schliefen auch nach dem Frühstück gern noch mal. Oder am Nachmittag. Wir unternahmen weite Touren mit Lutschi und saßen auf Almen und tranken Bier und Kakao und sahen in eine unverschämte Postkartenidylle von Bergspitzen und blauem Himmel. Und wenn dann der Ofen in der Hütte brannte und ich mit meinem (voll aufgeladenen) e-book-reader in diesem einzigen Zimmer auf dem Sofa lag und der Hund zu meinen Füßen lag und seinen warmen Hundegeruch verströmte und die Holzscheite knisterten und mein Handy so stumm war, wie es nur sein kann, wenn man keinen Empfang hat und ich wusste, hier her kommt niemand, und niemand wird klopfen oder klingeln und niemand wird anrufen oder chatten, niemand, es gibt jetzt nur den großartigen Moment - dann war das mein Begriff von absoluter Glückseligkeit. Dort in der Hütte, mit nichts außer mir und uns, habe ich den höchsten Moment von Glückseligkeit in diesem Jahr erlebt.

Hier zu Hause war mir dann alles etwas viel. Viel zu hell, viel zu groß ist unser Haus, viel zu laut, immer kann man etwas gucken, googeln, im Fernsehen sehen, immer hört und liest man in irgendeinem Chat etwas, immer ist man erreichbar, immer. Ich hatte so sehr versucht, dieses ruhigen Fluss mit hierher zu nehmen. Das hat nicht funktioniert, gar nicht. Aber ich weiß jetzt, was mich glücklich macht. Eben genau solche Momente wie in der Hütte in Österreich.

Wer einmal dasselbe Erlebnis haben möchte, hier ist die Internetadresse : Rettensteinhütte. Einfach draufklicken und anschauen. Die Vermieter sind herzallerliebst und alles ist mit so viel Liebe zum Detail angelegt. Wir waren bereits in deren anderem Ferienhaus, dem Försterhäusl, und haben es auch sehr genossen. Das war aber mitten im Dorf.




Geplant:


Unser Haus. Wir bauen ein neues Haus. Haben sonst ja auch nix um die Ohren.

Unser Sohn zieht mit seiner Frau und unseren (bald zwei!) Enkelkindern in unser Haus ein, und wir bauen uns ein kleineres Haus auf unserem hinteren Grundstück der Firma. Also, wir sind alle zusammen auf einem Areal, aber getrennt. Sozusagen. Durch einen Zaun. (Meterhoch!!)

Bis jetzt gibt es nur die Bodenplatte, und in einigen Tagen geht es los mit dem Bauen. Ich platze vor Aufregung! Wir haben uns schon eine neue Küche ausgesucht (is klar, bevor die Bodenplatte auch nur da war), und es wird sicherlich wunderschön, wenn es fertig ist. Es hat dann nicht mehr 260 qm, wie unser jetziges Haus, sondern nur noch 160. Aber das sollte reichen für zwei Erwachsene und einen Kollegen Schnürschuh. Im Wohnzimmer wird es eine große Fensterfront geben, aus schwarzem Metall, die bis unters Dach reicht, also haben wir eine Art Galerie im Wohnzimmer, denn wir können vom oberen Stockwerk runterschauen. Es wird alles sehr industrial, boho, lässig und gemütlich eingerichtet werden. Einen Ofen werden wir auch haben! Und dann werde ich dort auch vor dem Feuer sitzen können, den Hund zu meinen Füßen und einfach nur den Moment genießen können.

Ich werde platzen vor Stolz, und ich werde euch auf jeden Fall mitnehmen auf die Reise zu unserem neuen Heim.

Ich habe sehr gerne in unserem jetzigen Haus gelebt, immerhin 17 Jahre lang, und es vollkommen zu einem Zuhause gemacht, und ich hoffe, ich bekomme das auch bei unserem neuen Haus hin. Aber ich denke schon!

So, ihr seht, es geht weiter. Ich nehm euch mit.

Gerettet:

In diesem Jahr habe ich wenigstens ein Leben gerettet. Von dem ich wirklich weiß. Das eines kleinen Hundes, der auf einer vierspurigen Kreuzung eine Böschung heruntergelaufen kam und offensichtlich keinen Besitzer hatte.

Es gibt so Momente, die machen einen zum kleinen Alltagsheld. Ich sehe den Hund, halte mein Auto an, ich war grad mit meiner Mama zu IKEA unterwegs, mit dem teuersten Schlitten, den wir auf dem Hof hatten, Voll-Leder-Ausstattung etc. Der Hund hat offensichtlich Panik, den er läuft auf der vollbefahrenen Kreuzung recht ängstlich herum. Ich trete auf die Kreuzung und halte einfach mal mit zwei Armen vier mal vier Spuren Verkehr an. Ich stehe mitten auf der Kreuzung und halte sechzehn Spuren an. Dann mache ich mich klein, locke den Hund an, schnappe im richtigen Moment sein Geschirr, hebe ihn daran hoch und werfe ihn in lockerem Bogen in meine 40.000 Euro Karre auf die Voll-Leder-Sitze der Rückbank. Um die Ecke auf einem Parkplatz halten wir an und schauen uns das entzückende Wesen an. Wir binden ihm das Tuch meiner Mutter als Leine um und gehen auf die Suche nach einem verzweifelt rufenden Besitzer. Keiner da.

Ein Polizei-Bulli 100 Meter weiter nimmt uns den Kleinen dann ab und umsorgt ihn sofort liebevoll. Ich gebe der Polizistin meine Handy-Nummer und bitte sie, WIRKLICH anzurufen, wenn sie etwas über den Hund und Besitzer heraus findet. Ich habe bereits für mich beschlossen, dass, wenn es keinen Besitzer gibt oder nur einen Arschloch-Besitzer, ich den Hund adoptiere. Er ist so entzückend und so vor mein Auto gepurzelt, das muss ein Wink des Schicksals sein. Ich bin sehr Karma-technisch unterwegs. Sie ruft mich dann später in der Schreibtisch Abteilung bei IKEA an und erzählt mir, dass der Besitzer aufgetaucht ist und überglücklich ist. Ich dachte kurz "schade" und dann lange "sehr gut!" und das war meine Rettungsaktion des Jahres.

Ein paar Tage hab ich mich wie ein Held gefühlt. Ich hab sechzehn Spuren Verkehr angehalten.

Kann auch nicht jeder.

Ansonsten....das Jahr war einfach wieder voll. Und generell sehr fordernd. Gab keine Möglichkeit, sich vom Jahr auszuklinken. Es gab oft nur die Durchhalte-Taktik. Was mich zu einem meiner Lieblingszitate weiterleitet:

"It ain´t about how hard you hit. 
It´s about how hard you can get hit
and keep moving on. 
That´s how winning is done."

Rocky Balboa/Sylvester Stallone

Auch etwas trashig. Aber wahr. Und manchmal ist das Leben so einfach. Einfach weitermachen. Durchhalten. Sich um die kümmern, die man liebt. Die laufen lassen, die nichts mehr für einen tun können und wollen. Am Leben bleiben. Ein guter Mensch sein. Die Welt ´n bisschen besser machen. Ein Leben retten.







Sonntag, 19. November 2017

Schwimmen



Jedes Wasser, in das ich steige, scheint mir zu sagen "Da bist du ja wieder."

Und wenn es nicht so gut läuft im Leben, wenn es grad alles schwer ist, dann ist Wasser mein Heilmittel. Kennt ihr das auch?

Wir kommen alle aus dem Wasser, schließlich sind wir 9 Monate darin rumgeschwommen, und mein Körper erinnert sich mit jeder Faser daran, sobald ich im Wasser bin.

Ich mag weder meine Schwimmsachen packen, noch mag ich es, mich abends im Dunkeln noch auf dem Weg in ein Schwimmbad zu machen, noch mag ich all meine dicken Winterklamotten ausziehen, einen Badeanzug anziehen und auf dem Weg von der Dusche ins Becken friere ich mir den Arsch ab und denke nur "echt jetzt?"

Und dann steige ich ins Wasser und mache meine ersten Schwimmzüge und vergesse einfach die Welt um mich herum. Ich mach mich klein und ich mach mich wieder lang und ich sehe meine Luftblasen im Wasser aufsteigen, wenn ich unter Wasser ausatme, und durch meine Schwimmbrille verschwimmt auch die Welt um mich irgendwie. Am anderen Ende angekommen atme ich ein paar Mal schwer und unter Wasser schlägt mein Herz schneller, und dann stoße ich mich wieder ab und mache mich wieder lang und mache mich wieder klein und wieder lang. Unter Wasser funktioniert mein Körper besser als an Land.

Wenn ich mir am Anfang eine Bahn aussuche, dann muss ich gucken, dass ich hinter jemandem schwimme, der schneller ist als ich, das spornt mich an und ich muss nur immer einmal ausweichen, wenn wir uns nach der Wende begegnen. Es gibt nicht viele, die schneller sind als ich. Ich bin wie ein Fisch, fürs Wasser gemacht.

Es gibt eine halbe Stunde nur das blaue Becken, meine Luftblasen, meine Hände, die das Wasser wegschieben, meine Muskeln, die anfangen, zu schmerzen, auf eine gute Art, ein guter Schmerz.

Es gibt keine Gedanken in der halben Stunde, nur Genuss, nur einfach da sein. Kein einziger Gedanke hat Platz. Nur meine Atmung, die kleinen Wellen, das blaue Licht, der Herzschlag, der Rhythmus.

Am Ende sitze ich noch zwei Minuten am Beckenrand. Ich hole Luft, ich wringe meine Haare aus und reibe mir meine Abdrücke von der Schwimmbrille weg.

Alles an mir ist jetzt warm, ich bin faser-rein, nicht nur porentief, sondern faser-tief, denn bis in meine Knochen bin ich jetzt sauber. Einmal durchgespült.

So ist das mit mir und dem Wasser....

Wollte ich nur mal so erzählen.

Habt einen feinen Sonntag..! Macht was Gutes draus.

Montag, 24. Juli 2017

Ich bin eine Heulsuse

Ist jemand von euch zufällig auch eine Heulsuse? Eine Flenntüte? Nah am Wasser gebaut?

Oh Mann. Ich bin es.

Nicht, wenn mich jemand ärgert oder so. Da werde ich eher wütend. Oder zynisch. Aber alles, was sich um meine Familie dreht, um unsere Kinder... da werd ich schwach.

Wir haben mal mit meiner Mama und ihrem Mann, mit meinem Mann und mit dem Sohn des Mannes meiner Mutter und seiner damaligen Freundin (jetzt Frau) - wobei das grade alles ganz kompliziert klingt - also, mit drei Pärchen jedenfalls - das ABBA Musical geschaut. In Frankfurt. Es war echt toll!! Kennt ihr MAMMA MIA? Naja, jedenfalls kommt die Stelle, wo sie als Mama ihrer Tochter die Haare macht für die Hochzeit. Und dabei singt.

"Schoolbag in hand, she leaves home in the early morning,
waving goodbye with an absent minded smile,
I watch her go with the surge of that well-known-sadness,
and I have to sit down for a while.

The feeling that I´m losing her forever,
and without really entering her world,
I´m glad whenever I can share her laughter,
that funny little girl.

Slipping through my fingers all the time,
I try to capture every minute,
the feeling in it,
slipping through my fingers all the time,
do I really see what´s in her mind,
each time I think I´m close to knowing,
she keeps on growing,
slipping through my fingers all the time..."

Oh Mann. Hardcore für Mütter. Wir mussten soooo sehr weinen. So ein richtig mächtiges Weinen, was aus der Kehle kommt und das man nicht aufhalten kann.

Jahre später gab es den Film dazu, also mit Meryl Streep. Großartig! Ich sitze nichtsahnend vor der Glotze und die Stelle kommt. Es war wieder genauso. Ich kann nichts dagegen tun. Die Tränen fließen mit einer Macht, ich kann mich nur hinsetzen und es laufen lassen. Nur zum Spaß (haha, ganz lustig!) habe ich es neulich mal morgens ausprobiert, auf eine kleine masochistische Art und Weise. Bei I-tunes das Lied angehört. Es verging eine Millisekunde (höchstens!) und die Tränen kamen geschossen. Unglaublich. Ich hatte vorher nix trauriges gedacht oder gemacht.

Ich habe das bei vielen Filmen, bei denen es um Töchter und Mütter geht. Kennt ihr das zufällig? Bitte sagt, dass ich nicht die einzige Bekloppte bin!!

Jedenfalls trifft dieser Text und dieses Lied offensichtlich mein innerstes Fühlen. Es kommt mir wie gestern vor, dass meine Kleine an meinem Hals hing. Dass ich zu ihr ins Bett gekrabbelt bin morgens um sie zu wecken, und sie schlaftrunken ihre Arme um mich geworfen hat. Dass wir uns im Schwimmbad totgelacht haben über den einbeinigen Piraten, den ich immer für sie spielen musste. Tock,Tock, Tock musste ich im halbtiefen Wasser auf sie zugehen und sie kreischte um Hilfe, die es nur am Beckenrand gab. Dort durfte der Pirat nicht hin. Wie wir im Freizeitpark immer und immer wieder in den Schwanenbooten zu Walzermusik im Kreis fahren mussten. Wie ihre Haut nach dem Toben und Spielen draußen gerochen hat, wie Kinderhaut eben riecht, leicht metallisch und trotzdem süß.

Es kommt mir wie gestern vor. Und ich dachte immer, wir haben Zeit im Überfluss. Wenn wir was haben, dann Zeit.


Was. Für. Ein. Scheiß.



Auf einmal ist sie groß. Sie hat ihr eigenes Leben und ich sehe und höre manchmal Tage nichts von ihr. Da ich weiß, dass sie glücklich ist, geht das für mich okay.

Gestern haben wir meinen Opa im Altersheim besucht, die Kinder waren auch mit, auch unser Enkelkind, wir waren also FÜNF Generationen, was ja schon mal selten ist und ganz großartig, und mein Opa hatte seinen Ur-Ur-Enkel auf dem Schoß,  und das kleine Speckhändchen von Levi hat die riesengroße faltige Hand von meinem Opa gehalten.



Ein Heulsusen-Moment.

Dieser Moment, wenn du dich so gesegnet fühlst mit all dem, was du bisher schon erleben durftest, und trotzdem einen Schmerz verspürst, so richtig im Herzen, so einen Schluchz-Schmerz, so ein Brennen in der Kehle ganz unten, der dir sagt, dass Zeit vorbei geht. Jetzt grade.

Ganz oft denkt man ja so Zukunftsdenken. Wenn wir erstmal Urlaub haben. Wenn wir erstmal in Rente sind. Wenn die Kinder erstmal groß sind (schlimmste Denke ever, bullshit). Wenn ich erstmal abgenommen habe. Wenn ich erstmal den Mann meiner Träume gefunden habe. Wenn ich erstmal reich bin....

B U L L S H I T.

Genießt einfach jede fu...ing Sekunde.

Und den Geruch der Kinderhaut. Und ihre süßen kleine Arme. Und ihr grenzenloses Vertrauen in dich. Und jede verdammte Minute mit ihnen.

Falls ihr da Nachhilfe braucht:


Das Video zum Song, Mamma Mia




Freitag, 23. Juni 2017

Wo geht die Liebe hin?

Als ich heute im Auto unterwegs war, kam eines meiner Lieblingslieder im Radio, und zwar "Groovy kind of love" von Phil Collins. Ich mag den Text so unheimlich gerne und ich hatte ein bisschen Pipi in den Augen. Es ist eigentlich das Lied, was zu meinem Mann und mir passt und was ich ihm schon einmal als Liebesbrief vor ewigen Zeiten geschrieben habe.
Ich musste daran denken, wie verdammt verliebt wir waren, mit 16, mit 18, mit 20.... wie hoffnungslos verliebt. Wie leicht das Leben damals war. Wie viele Federn wir seitdem gelassen haben.
Ich musste daran denken, wie selten es uns als Paar noch gibt, nur uns beide. Meistens sind wir Arbeitskollegen, Chefs, Eltern, Großeltern. Selbst auf der Couch sitzt immer jemand bei uns, jedenfalls mental, und wohnt unserem Feierabend bei. Immer ist etwas zu besprechen, zu planen, zu sorgen, zu klären.
In manchen Momenten kommt durch, was uns mal ausgemacht hat oder immer noch ausmacht, und das ist dann ganz großartig. Dass wir immer noch dieselben sind, die in Italien 1988 zwei Wochen lang gezeltet haben, auf dem Campingkocher Burger gebraten haben, sich auf den Luftmatratzen im Meer haben treiben lassen, die mit dem VW Käfer an den Baggersee gefahren sind und verbotenerweise auch dort gezeltet haben. Die selben, die sich so gestritten haben, dass Geschirr dabei zu Bruch ging, dieselben, die sich ebenso heftig wieder versöhnt haben.
Ich habe in unserem Wohnzimmer einen Spruch in einem Rahmen stehen, der so gut passt auf so viele Situationen im Leben: 

"The grass isn´t greener on the other side. It´s greener where you water it."

Das Gras ist nicht grüner auf der anderen Seite. Es ist dort grüner, wo du es gießt. 

Um uns herum gibt es immer nur Trennungen. Paare trennen sich nach Jahren, nach Jahrzehnten, nach Monaten oder Wochen. Sobald es schwierig wird, ist Schluss. Dabei sind das Paare, die auch Kinder haben. Ein Haus. Eine Vergangenheit. Ganz ehrlich jetzt mal: das ist doch völlig schwachsinnig, sich mal so sehr geliebt zu haben, dass man Kinder gezeugt hat und gemeinsam groß gezogen, dass man gemeinsam die Wehen veratmet hat und Tränen der Freude vergossen, dass man gemeinsam Nächte durchwacht hat und gemeinsam Sonnenuntergänge angeschaut hat.. und dann soll die Liebe einfach weg sein?

Nee nee, Leute. So einfach ist das nicht. Wo ist sie denn hingegangen, die Liebe?

Die ist noch da. Die braucht nur Wasser.

Ich werd manchmal richtig sauer, wenn ich sehe, wie leichtfertig Leute auseinander rennen. Sie werden von sich behaupten, dass sie es sich nicht leicht gemacht haben, aber ehrlich: wenn der Partner nicht gewalttätig ist und kein schlechter Mensch, und im Grunde noch der gleiche, in denen ich mich vor Jahren unsterblich verknallt habe - wenn er einfach nur manchmal den Hochzeitstag vergisst oder die Blumen, wenn er einfach nur gestresst ist oder mit sich selbst nicht zufrieden... dann holt die verdammte Gießkanne raus und wässert eure Beziehung.

Manche Paare haben scheinbar alles - und dann hört man, die leben nicht mehr zusammen. Ich denke meistens "What the fuck!?" Geht´s euch zu gut? Habt ihr keine anderen Sorgen? Habt ihr zuviel Facebook und Instagram und Blogs gelesen, dass ihr denkt, dass es woanders besser ist?

The grass isn´t greener on the other side.

Habt ihr nicht gewusst, dass es auch großartig sein kann, nach einer Nacht, in der die Kinder die Betten vollgekotzt haben, zum ersten Mal wieder durchzuschlafen? Wie toll es sich anfühlt, wenn man abends zusammen abwäscht nach einer Familienfeier? Wie schön es ist, wenn die Kinder aus dem Haus sind und zum ersten Mal zu Besuch und das Auto fährt vom Hof und man steht da und denkt "da fahren unsere Kinder vom Hof" und man hat vor komischer Rührung Tränen in den Augen? Wie großartig es sich anfühlt, wenn man abends in ein Bett steigt, dass vom anderen schon angewärmt wurde? Wie toll es ist, abends nach Hause zu kommen und draußen stehen zu bleiben, nur um das Gefühl auszukosten, dass drinnen Licht und Wärme und die Liebsten sind, in ihren Betten oder im Wohnzimmer, auf dem Sofa eingeschlafen und du kommst rein und jemand steht für dich auf und sagt "schön, dass du wieder da bist"

Yep. Das ist alles nur Kleinkram, aber großartiger Kleinkram. Darauf will ich auf keinen Fall verzichten und was in den Sack hauen. Solltet ihr auch nicht.

It´s greener where you water it. 

Also holt die Gießkanne raus und macht es euch auf eurer Seite des Lebens schön.


(Zwar schon alt, aber immer noch schön das Bild von uns vieren....)