Mittwoch, 16. November 2016

Große Gefühle

Echt lange nix geschrieben, und das ist immer ein Zeichen für "eindeutig zu viel Leben los im Moment."

Wenn ich rückblickend meinen Blog anschaue, ist es für mich aber wie eine Art Tagebuch, und meine Gefühle zu bestimmten Dingen immer mal wieder zu lesen, gibt mir eine ganz andere Sicht auf Dinge. Deshalb möchte ich auch nicht damit aufhören.

Wir sind Großeltern geworden! Es war ein bisschen früher als geplant, der Kleine kam 6 Wochen überraschend zu früh auf die Welt und es war einfach nur nervenaufreibend und schön und aufregend und überwältigend zugleich.




Dass man an diesem Kreislauf mitgewirkt hat und dass es weiter geht, auch wenn man selbst nicht mehr da ist, das ist gut so. Mit jedem kleinen Menschen, der geboren wird und liebevoll aufwächst und die Chance hat, ein guter Mensch zu werden, wird das Risiko geringer, dass alles den Bach runtergeht. So global gesehen. 

Zu sehen, dass das eigene Kind ein Kind bekommt und von nun an so wie man selbst mit schlaflosen Nächten, Sorgen, Tränen, Glück bis zum Umfallen und nie gekannten Emotionen konfrontiert wird, ist auch ein erhebendes Gefühl.

Mit dem ersten Enkelkind wird einem auch die Endlichkeit des Daseins ganz klar. Man ist ja nicht blöd und weiß, man wird irgendwann ja sterben. Aber gefühlt die Hälfte meines Lebens fühlte ich mich geradezu unsterblich. Alles drehte sich um mich, meine Gefühle, später unsere Kinder, unsere Sorgen und Nöte, unsere Bedürfnisse....

Aber nun....alles ist einfach ein Stück weiter weg gerückt. In dem Buch "Ein Mann namens Ove" wird dieses Gefühl sehr gut beschrieben. Die Hälfte seines Lebens lebt man nur für sich. Für SEIN Leben. Das dreht sich irgendwann und man fängt an, nicht mehr für die eigene Zukunft zu leben, sondern für die der anderen. Der Kinder und Enkelkinder. Ich kann es offensichtlich nicht beschreiben, aber das Gefühl ist so. Einfach etwas weggerückt vom eigenen Leben. 

An der Stelle in dem Buch musste ich weinen. Das ist aber auch dem Ort und der Zeit geschuldet, an der ich diese Stelle las. Es war auf Baltrum im Mai. Wir waren mit unseren Kindern dort und hatten ein paar Tage Familienurlaub gemacht. Am Abend vorher hatten wir erfahren, dass wir Großeltern werden. Ich war so perplex und überrascht, dass ich gar nicht wirklich darauf reagieren konnte. Also, schon konnte ich reagieren, aber mein Herz noch nicht. 
An dem Morgen lag ich unter dem Dach im Ferienhaus im warmen Bett. Ich hatte gerade eine SMS von meinem Mann bekommen, der sich schon mit unserem Hund aus dem Haus geschlichen hatte und bei dem Sauwetter Brötchen holen war. Ein Foto vom verwehten Strand mit einer milchig aufgehenden Sonne und eine Nachricht "Bleib ruhig liegen, ich bin schon unterwegs" und ein Herz dabei. 
Das Bett war so warm und unter mir im Haus schliefen die drei liebsten Menschen in meinem Leben auch in ihren warmen Betten. Einer davon war mit unserem Enkelkind schwanger. Der vierte liebste Mensch war mit meinem liebsten Hund unterwegs. Der Regen fiel auf das Dachfenster und ich lag so warm und geborgen unter diesem Dach. Und an dem Morgen fühlte ich mich so gnadenlos gesegnet mit allem was ich hatte, dass ich an der Stelle im Buch weinen musste. Vor Dankbarkeit.

 Ja, so ist das.

Große Gefühle eben.

Habt einen schönen Abend ihr alle....







Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie schön. Neben dem Enkelkindchen (Willkommen kleiner Erdebürger, alles Gute Dir!)hat die Beschreibung des Momentes des Erkennens und die damit verbundene Dankbarkeit mich sehr berührt.

Anonym hat gesagt…

Hallo Daniela...herzlichen Glückwunsch zu Deinem Enkel, sicherlich ein tolles, aber auch neues Gefühl. Ein schöner Blog...gesegnet sein...vermisse ich schon lange LG Deine alte Schulfreundin Kristina